Schlaf Deines Lebens erste Zeit

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Johann Gottfried Herder: Schlaf Deines Lebens erste Zeit Titel entspricht 1. Vers(1768)

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Schlaf Deines Lebens erste Zeit,
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O Kleiner, nur in Ruh!
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Noch nicht zu Trübsal eingeweiht,
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Ließ Dir Dein Gott sie zu.

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Von Sorgen noch, von Furcht und Reu
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Bebt nicht Dein kleines Herz;
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Doch wärst Du auch so gänzlich frei
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Von uns verborgnem Schmerz?

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Vielleicht, wenn wir Dich lächeln sehn,
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Da Dich der Schlaf verhüllt,
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Beklemmen Dich geheime Wehn,
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Des künft'gen Schicksals Bild.

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Und ach! auch nicht frei von Gefahr,
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Die unsre Hoffnung stört;
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Vielleicht hängt über Dich am Haar
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Ein ungesehnes Schwert.

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Doch Der, der Dir den Schlaf befahl,
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Hält's von der Scheitel ab,
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Und seiner Diener starke Zahl
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Verschließet noch Dein Grab.

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Schlaf ruhig, ohne Wissenschaft!
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Bei uns mag Sorge sein;
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Du sauge schlummernd frischen Saft
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In Deine Nerven ein!

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Und werde dadurch groß und blüh,
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Der Eltern süßste Lust!
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Und Gott und Tugend fühle früh
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Die milchgenährte Brust!

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»einst sei ein Mann, der seinem Stand
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Mit Treu ergeben war!«
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Dies seufzete und überwand
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Den Schmerz, die Dich gebar.

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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