Laokoon's Haupte

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Johann Gottfried Herder: Laokoon's Haupte (1768)

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O Du, in
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Gen Himmel ziehend, zeuchst aus tiefstem Herzensabgrund
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Der Deinen Seel' auf diesem Seufzer
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Gen Himmel mit empor!

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Den drachumwundnen Erdenkörper,
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Wie giftgeschwellt er unterliegt! Die dürre Scherbe
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Zerbricht den Todeston der Hyder,
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Wie sie erliegt, die Hand!

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Ohnmächtig, was uns Götter flochten,
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Zu lösen! Schlangenknäul hinwegzuheben! Wie ihn
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Ein nacktes Angstgerippe hebet,
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Den Seufzer, und ermorscht!

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Und Vaters Ohr umheulen Klagen,
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Weh der Unmündigen, aus lautem offnen Schlunde,
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Die statt der Vaterarme Schlangen
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Ergreifen – grausend Bild.

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Du bist versunken – bist gesunken
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Zum Hügelstaub, der dann, des Wandrers letzte Ruhstatt,
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Für aller mit ihm Wandrer Augen
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Ein Aschenkloß erscheint!

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Nur dieses
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Auf ihm, wie er aus tiefster Herzensjammerhöhle
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Der todtgequälten Seinen Seele
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Gen Himmel mit sich zeucht!

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Gen Himmel zeucht und schwer beladen
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Ermattet, jammernd weg sich wendet, und wie Hauch nur
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Auf unsichtbaren Freundes Sterbekissen
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Das Haupt danieder senkt!

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O Du, der hohen Himmelsgötter
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Ein stumm Erbarmungsbild! in aller Himmel Mitte
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Verlassen! – aller armen Menschheit
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Die höchste Majestät

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Des Leidens! Ach, wo bist Du, bist Du
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Belohnt, Laokoon! Als nun des Sterbeseufzers
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Erddumpfer Trauerfall in Wonne,
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In Wehmuthlust zerfloß,

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Und alle Engel ein Dich holten,
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Und offnen, lauten Munds Dich Engel, Deine Kinder,
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Umarmeten (der Drachenknote
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Des Schicksals war zerstückt,

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War weggehoben!), und auf Flügeln
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Des hocherhabensten der Seufzer, als Du kraftlos
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In neuer Welt (soll ich ihn nennen,
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Den Allgewaltigen,

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Den Hohen, unter dem wir leiden
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Und Staub sind! oft verlassen leiden! unterm Himmel
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Wie unerhört und einsam sterben,
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Verlieren uns wie Hauch!),

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Als Du – bist Du zu seinen Füßen
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Gesunken? sahest ihn? sahst erderein Dein Leben?
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Des Ganzen Schöne? und im Tode
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Die höchste Schöne? – sahst

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Und feiertest, wie hier auf Erden
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Kein Erdkloß feiert, dem noch dunkle Himmel wallen,
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Und Schlangen drohen, oder Schlangen
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Im Innersten vielleicht

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Ihm wüthen! – Sei, o Haupt, mir Bote
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Der Gottheit! – Leidensbild! wie Majestät des Schmerzens
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Auf ihrer Seele Andrer Seele
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Gen Himmel zeucht und ruht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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