»komm!« sprach der Gott und schwang die zarten Flügel

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Johann Gottfried Herder: »komm!« sprach der Gott und schwang die zarten Flügel Titel entspricht 1. Vers(1773)

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»komm!« sprach der Gott und schwang die zarten Flügel;
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»denn hinter uns ergrimmt die Barbarei.
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Erschwingen wir dort jene stillen Hügel,
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Und Deine Brust wird mancher Sorgen frei;
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Erblicken wirst Du in der Zeiten Spiegel
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Dein Bild, und was in ihm veredelt sei.
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Zerstieben kann in göttlichen Gestalten
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Der irdne Stoff;

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Sie schwebten auf, vorbei der heitern Höhe,
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Auf der mit Castor Pollux sie empfing.
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»o daß ich Euch, Ihr Himmlischen, noch sehe,
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Gerettet,« sprach die Kunst, »auf meinen Wink!
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O daß an Euch der Menschen Blick erspähe,
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Weß Großen sich die Menschheit unterfing!
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So blühten einst durch mich der Götter Söhne,
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Und um sie schallten Pindar's hohe Töne.«

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Sie schwebten nieder. Jedem Heiligthume
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Der Kunst umwebte Amor heil'ge Nacht.
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Sieh, wie zu seiner Freundin hohem Ruhme
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An seiner Fackel neuer Reiz erwacht!
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Aus jedem Kunstwerk sprießet auf die Blume
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Des Genius in sanfter, voller Pracht.
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Vor Amor's Fackel glänzen auf – Ideen,
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Die (glaubt's der Liebe!) Liebe nur kann sehen.

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»dort,« sprach er, »Dein Apollo! Unversehret
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Steht er im Glanz der Götterschöne da;
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Zu Delos zwar wird er nicht mehr verehret,
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Doch jedem Jugendherzen ist er nah.
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Was er der Menschheit Himmlisches bescheret,
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Was ihm dem Hirten, ihm dem Gott geschah,
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Sein Lorbeer, seine Lyra, seine Chöre,
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Sein heilig Bild ist aller Zeiten Lehre.«

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»und in der Jungfrau Herz, wie schleicht sich leise,«
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Sprach Carita, »der wundersüße Traum
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Endymion's! Diana, keusch und weise,
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Geführt von Amor selbst, sie schwebet kaum
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Zum Anblick hin. Ihr Bild wird Götterspeise
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Dem Schlummernden in der Ideen Raum.
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Lieb' und die Kunst, in Träumen nur und Blicken
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Lebt ihre Kraft, ihr innigstes Entzücken.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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