Der Nachhall der Freundschaft

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Johann Gottfried Herder: Der Nachhall der Freundschaft (1773)

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Hoher Freundschaft Sympathieen singen,
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Tönet edel; in den Saiten klingen
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Hehr und stolz die laute Sympathie
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Hoher Freundschaft; doch wo athmen sie?

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Ach, sie schieden längst aus unsern Hütten,
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Aus dem Taumel unsrer Affensitten,
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Grämten sich zu Luft und wurden Schall,
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Und sind jetzt – was noch als Widerhall?

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Widerhall, den jede Lipp' entweihet,
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Widerhall, auf Sophas hingestreuet,
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Sind der Sprache Spielberloquen, sind
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Unsrer schönen Kreise Fächerwind.

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Sympathie, als einst mit süßen Schmerzen
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Du den Säugling noch an Mutterherzen
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Bandest, als er an der Tugend Brust
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Leben trank, nicht sieche Lasterlust;

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Als Du mit den Schwestern noch im Thale
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Spieltest und beim Heldenvätermahle
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Jünglinge beseeltest, sich mit Muth
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Dir zu weihen, Dich in schönem Blut,

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Sympathie, im Tode Dich zu singen,
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Sich auf Ruhmesflügeln aufzuschwingen,
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Wo der Freund zu harren ihm verhieß,
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Hinterm Grab im Väterparadies.

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Und, o Liebe, konntest Herzen binden,
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In einander Ewigkeit zu finden,
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Für einander sich mit edler Müh
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Neu zu bilden – Herzenssympathie,

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Reingeläutert in Dir zu zerfließen,
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Alles, Alles in Dir zu genießen,
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Seelenthüllet sich zu zeigen, sich,
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Wo der Blick verstummt, herzinniglich

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Dein zu nennen. Auch die Thränen gießen
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Balsam, wenn sie herzvereinet fließen;
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Gram und Noth und Tod und Schicksal band
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Seelen fester als der Diamant,

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Unsre Buhlerfessel. – Wilde Saiten,
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Wohin irrt Ihr? – Wohin Euch begleiten
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Nimmer kann der Zeiten Wahn; für Tand
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Hat er, was Ihr singet, längst erkannt;

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Mag auch seine Tempel nicht so höhnen,
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Daß sie reiner Menschheit Würde tönen,
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Der ja, reich gesättigt und geehrt,
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Schwätzer sucht und Freunde nicht begehrt,

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Nicht begehrt, noch haben kann. In Oede
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Rings umher verstummt des Herzens Rede,
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Schweigt sein lauter Pulsschlag. Lüsteleer
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Ist es um mich; da ertönt nicht mehr

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Herzens Silberklang. In armen Hütten,
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In der Urzeit letzten heil'gen Sitten,
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Da nur lebt die Echo

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Sie, der Klang, o Freund, auch Deiner Saiten;
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Aber laß sie immer ihn begleiten,
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Diesen süßen Wahnlaut, wenn sein Klang
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Deiner Freundin gutes Herz durchdrang.

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Der ich hier in Chiron's Felsenhöhle
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Meine Saiten unmuthvoll beseele,
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Wüßtest Du, wenn jene Echo rief,
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Wie umsonst ich oft schon nach ihr lief.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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