Liebe und Gegenliebe

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Johann Gottfried Herder: Liebe und Gegenliebe (1773)

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Als einst die Mutter der Anmuth
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Den Knaben Amor gebar,
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Bekränzt' er, ein einziges Söhnchen,
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Mit Rosen sein lockiges Haar.

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Er schuf nur Qualen den Herzen;
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Die zarte, süßere Pflicht,
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Mit Liebe Liebe zu lohnen,
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Die kannte der Flüchtige nicht.

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Und manche beleidigte Göttin
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Und mancher beleidigte Gott,
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Sie zürnten Alle dem Knaben
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Und schufen ihm Flügel zum Spott.

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Bis einst Urania selber
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Ein schöneres Mittel ersann:
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Sie ward zur Welle des Meeres
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Und blickte den Lieblichen an.

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Er sieht im Meere sein Bildniß
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Und wird von Liebe beseelt
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Und fühlt nun selber die Schmerzen,
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Mit denen er Andre gequält.

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Umfangen will er das Wahnbild,
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Ihm in der Welle so nah,
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Und sieh, sein schönerer Bruder
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Steht vor dem Liebenden da.

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»wer bist Du?« spricht er verwirret.
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»du selbst, Dein Bruder bin ich.
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Laß uns versuchen im Kampfe!
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Vielleicht besiegest Du mich.«

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Und seitdem ringen die Beiden
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Der Liebe mächtigen Streit;
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Wo Einer Herzen verwundet,
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Ist nie der Andere weit.

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Wo Liebe, schaffende Liebe
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Hinschaut mit zauberndem Blick,
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Kommt ihr vom Bilde des Anschauns
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Die Gegenliebe zurück.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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