Die Feldheimen

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Johann Gottfried Herder: Die Feldheimen (1773)

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Menschen waren einst, so lehret Plato,
2
Gute Menschen waren einst die Heimchen,
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Die ihr Tagewerk mit Fleiße trieben,
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Kinder zeugten und den Acker bauten;

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Bis mit ihren zauberischen Tönen
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Dreimal drei der Musen niederstiegen
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Und die Fluren mit Gesang erfüllten
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Und sogar die Vögel singen lehrten.

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Ach, da standen sprachlos und entzücket
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Unsre fleißig-guten Ackerseelen
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Und vergaßen ob der neuen Wollust
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Arbeit, Kinder, Speis' und Trank und Schlummer.

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Offnen Ohres, offnen Mundes hingen
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Am Gesange der Göttinnen Alle,
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Wurden Amatoren, Virtuosen,
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Famuli und Famulä der Musen.

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Wenig Tage währete die Freude,
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Und das Chor der horchenden Entzückten
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Stand von Hunger, Durst und von Gesängen
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Matt und welk und eingeschrumpft und sterbend.

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Und die Musen halfen ihren treuen
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Märtyrern noch in den letzten Nöthen;
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Süßen Todes führten sie die armen
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Singend-sterbenden ins Land der Dichter,

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Wo sie jetzt auf allen grünen Bäumen
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Wie die Könige der Erde thronen,
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Ohne Sorgen, ohne Müh und Arbeit,
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Ohne Fleisch und Blut, den Göttern ähnlich.

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Nun und nimmer drücket sie das Alter,
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Nun und nimmer ängstet sie die Nahrung;
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Trunken, von ein Wenig Thaue trunken,
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Singen sie gehört und ungehöret.

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Wie sie denn auch, also lehret Plato,
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Ihren Musen treue Nachricht bringen,
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Was hier dieser Knabe, jener Schäfer
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Singt und sang und künftig singen werde.

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Ach, Ihr süßen Landverwüsterinnen,
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Steiget noch einmal vom Himmel nieder,
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Holde Musen, steigt herab und hemmet
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Eurer ew'gen Lieder ew'ge Wirkung!

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Seht die Schaar der horchenden Entzückten,
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Myriaden Sänger, Virtuosen,
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Kunstliebhaber, Musen-Nachrichtgeber,
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Reisende Kundschafter, Declamanten,

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Seht, o sehet ihre Müh und Arbeit,
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Ihren Hunger, ihre heiße Sanglust!
47
Wandelt sie! – Jedoch wozu die Wandlung?
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Sie sind jetzt schon wie die Heimchen selig.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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