Das Kind der Sorge

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Johann Gottfried Herder: Das Kind der Sorge (1773)

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Einst saß am murmelnden Strome
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Die Sorge nieder und sann;
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Da bildet' im Traum der Gedanken
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Ihr Finger ein leimernes Bild.

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»was hast Du, sinnende Göttin?«
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Spricht Zeus, der eben ihr naht.
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»ein Bild, von Thone gebildet;
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Beleb's! ich bitte Dich, Gott.«

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»wolan denn! lebe! – Es lebet!
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Und mein sei dieses Geschöpf!«
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Dagegen redet die Sorge:
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»nein, laß es, laß es mir, Herr!

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Mein Finger hat es gebildet.«
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»und ich gab Leben dem Thon,«
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Sprach Jupiter. Als sie so sprachen,
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Da trat auch Tellus hinan.

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»mein ist's! Sie hat mir genommen
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Von meinem Schooße das Kind.«
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»wolan!« sprach Jupiter, »wartet!
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Dort kommt ein Entscheider, Saturn.«

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Saturn sprach: »Habet es Alle!
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So will's das hohe Geschick.
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Du, der das Leben ihm schenkte,
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Nimm, wenn es stirbet, den Geist;

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Du, Tellus, seine Gebeine;
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Denn mehr gehöret Dir nicht.
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Dir, seiner Mutter, o Sorge,
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Wird es im Leben geschenkt.

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Du wirst, so lang' es nur athmet,
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Es nie verlassen, Dein Kind.
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Dir ähnlich, wird es von Tage
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Zu Tage sich mühen ins Grab.«

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Des Schicksals Spruch ist erfüllet,
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Und
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Im Leben gehört es der Sorge,
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Der Erd' im Sterben und Gott.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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