Frei wie von Morgen wehn und von Abend die Lüfte des Himmels

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Christian Graf zu Stolberg: Frei wie von Morgen wehn und von Abend die Lüfte des Himmels Titel entspricht 1. Vers(1784)

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Frei wie von Morgen wehn und von Abend die Lüfte des Himmels,
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Athmet Aurora's Hauch, säuselt um Flora ihr West,
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Also spielen umher die freien Gaben der Muse,
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Die kein Sterblicher je, grübelnd und keichend erwarb.

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Ruhend im Duft und im Labsal der sommernächtlichen Stille,
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Sanft auf des Mooses Flaum, schlummert' Endymion einst,
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Phöbe erblickt ihn vom blauen Gewölbe, leis' in der Jungfrau
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Keuschem Busen erglimmt sehnender Liebe Gefühl;
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Schüchtern neiget und neigt sich und nahet sie näher und näher,
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Bis auf des Jünglings Mund athmet ihr himmlischer Kuß.

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Bande des Schlummers umschlingen Endymion, doch es umschweben,
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Wie aus Elysiums Hain, Träume der Seligen ihn.
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Phöbus stieg aus dem Schooße der Thetis. Erbleichend verbarg sich
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Phöbe. Des Glücklichen Aug' öffnet sich, staunet umher;
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Sonn' und Morgenschimmer und Meer und Wald und Gestade,
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Murmelnder Bach im Thal, Alles ist hehr ihm und neu,
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Fülle des wallenden Herzens beseelet ihm Alles mit Leben,
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Hügel und Ros' und Gewölk – Freundinn ist Nachtigall ihm!

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Also spendet auch Jene die Gaben, es ahnet dem Liebling
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Nicht, wenn die Muse das Haupt ihm mit dem Lorbeer bekränzt –
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Ward auch mir ein Blättchen des Daphne-Baumes, so ist's nicht
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Garbe des Fleißes, nur Ihr dank' ich das Wiegengeschenk.
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Einst umgürtete mir mit zarten Händen die Sohlen
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Sie, und ich wagt' es, einher schritt ich auf hohem Kothurn.

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Mein Getön' und was Sie in süßer Umarmungen Zauber
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Flüsterte Ihm, der mir ist mehr noch als Bruder und Freund,
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Nimm es zum Angebinde mein Söhnlein! –Siehe das Alter
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Ist redselig, und schon eifr' ich dem Nestor ja nach.
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War nicht Er, deß Enkel Du bist, mein Lebensgefährte?
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Ach, mein Bernstorff! Er, von Millionen beweint!
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Bernstorff! Er, dem wie wenigen Auserwählten, in Fülle
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So des Schöpfers Hauch Weihe des Himmels verlieh! –
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Höre nun! Wird's Dir im Herzen so warm, so voll und so drängend,
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Steigt aus der Tiefe Dir Stern, Stern und Gestirn Dir empor,
35
Dann ist nicht ferne die süße Sängerinn! Lausche dem Fittig',
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Oeffne das Pförtchen und führ' ein in das Kämmerchen Sie!
37
Einsam die Einsame! – Rauscht dir im Taubenschlag oben Gewimmel,
38
Laß in die Wildniß hinaus flattern den luftigen Schwarm!
39
Jene stammt aus Göttergeschlecht, und vom höheren

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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