Wundersam, durch Dunkelheiten

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Christian Graf zu Stolberg: Wundersam, durch Dunkelheiten Titel entspricht 1. Vers(1784)

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Wundersam, durch Dunkelheiten,
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Geht, allheilige Natur,
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Deines Zaubertrittes Spur;
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Ahnend folgen die Geweihten;
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Aber sieh, es irren, gleiten
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Klüglinge, die selbst sich leiten,
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Die des Dünkels Irrwischschein
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Zieht in Sumpf und Pfuhl hinein.

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Wohl mir, Göttinn, daß zu deiner
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Hochbeglückten Jünger Schaar,
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Als die Mutter mich gebar,
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Du mich lasest, von gemeiner
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Bahn mich führtest, zu geheimer
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Weisheit Pfad, wo heller, reiner
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Jeder Wahrheit Urborn quillt,
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Und des Forschers Schmachten stillt.

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Bald, als Feuersäul, erhebet
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Sich dein Haupt gen Himmel; wir,
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Voll Begeistrung, folgen dir
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In die Himmel, neu belebet;
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Bald, als Wolkensäul', umschwebet
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Heilig Dunkel uns; dann bebet
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Ahnungsschauer, der uns mild
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Lockt in Edens Duftgefild'.

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Oft, um mütterlich zu walten,
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Lehr' und Warnung zu verleihn,
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Wenn Gefährlichkeiten dräun,
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Muth und Glaub' in uns erkalten,
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Bei der Rechten uns zu halten,
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Hüllst du dich in Traumgestalten,
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Lispelst, in des Schlummers Ruh',
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Offenbarungen uns zu.

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So noch gestern. – Freunde, hören
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Sollt ihr staunend, was geschah,
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Welches Traumgesicht ich sah;
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Eu'r Vertrauen zu vermehren,
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Soll euch dieser Handschlag schwören,
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Daß ich euch nicht will bethören,
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Wahrlich dieser Traum nicht sei
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Ein Gespinnst der Phantasei,

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Als ich sanft und schlummernd ruhte,
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Alles Kummers unbewußt,
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Wohl auf meines Weibes Brust,
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Horcht, da kam mit hohem Muthe,
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Wie entsproßt aus edlem Blute,
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Zu der Eich', an der ich ruhte,
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Schön gewappnet, angethan
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Nach der Ritter Brauch, ein Mann;

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Reichte traulich mir die Rechte,
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Traulich schlug ich drein, alsdann
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Seine Red' er so begann:
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»müßig ruhst du hier? Ich dächte,
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Lieber, kämst mit mir; ich möchte
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Wetten schier, wohin ich brächte
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Dich, da solltest du gestehn,
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Daß du nie so was gesehn.«

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Sonder Säumen thät ich wallen
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Mit dem Ritter, der mich bald,
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Wo am dunkelsten der Wald
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Schattete, bald, nach Gefallen,
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Leitete durch Felsenhallen,
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Bald durch Trümmer wild verfallen,
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Dann der schroffen Kluft entlang,
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Dann bedroht vom Klippenhang.

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Endlich langten wir zur Stelle,
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Zu des Ritters Fehdeschloß,
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Das ein Zwinger rund umschloß;
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Brücken, Warten, Zinnen, Wälle,
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Pforten, Stein so Pfost' als Schwelle,
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Sicherten für Ueberfälle
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Diese Burg; als wir davor,
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Schloß von selbst sich auf das Thor.

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Aus dem Thore schlich zur Linken,
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Unterirdisch, wüst' und bang,
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Ein gewölbter Niedergang;
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Unter'm Fuß, so thät mir's dünken,
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Sah ich Leichensteine blinken;
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Aengstlich folgt' ich, sahe sinken
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Eine Fallthür; Leichenduft
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Athmete die grause Gruft.

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Särge standen hier die Fülle.
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Einer, schön von Marmelstein,
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Hatt' ein eigen Kämmerlein.
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»hier in dieses Grabes Stille,«
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Sprach der Ritter, »ist mein Wille,
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Daß du sehest, Freund, die Hülle
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Des Gebeins, einst weich und warm,
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Ach! des Weib's in meinem Arm!«

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Auf des Todtenmaales Mitte
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War, von Silber, glatt und schön,
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Ein gediegner Kelch zu sehn.
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»sage, Ritter, sag', ich bitte« – –
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Zürnend blickt' er, winkt' und litte
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Nicht zu enden, stieg drei Tritte,
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Gab den Kelch mir, sah mich an:
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»zittre nicht! Du bist ein Mann!«

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Kaum hatt' er den Kelch gegeben,
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Als es in dem Wunderding
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Brausend an zu gähren fing
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Und mit Macht herauszustreben,
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Gleich als ob der Traube Leben
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Perlte drinnen; sich erheben
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Thät alsbald der weiße Schaum
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Höher denn des Kelches Saum.

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Aus dem Schaumgesprudel stiegen
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Holder Blümlein drei heraus,
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Wanden sich in einen Strauß;
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Schaum und Gährung sanken, schwiegen.
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Schwebend sich im Kelche wiegen
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Sah ich Ros' und Veilchen, schmiegen
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Sich um beide, unschuldweiß,
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Das geliebte Kind des Mai's.

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Hold und lieblich duftend, blühten
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Meine Blümlein; plötzlich gohr
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Schaumgezisch im Kelch empor;
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Sausend stieg's, verschlang mit Wüthen
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Meine Blümlein; drauf versprühten
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Gischt und Blasen, ängstlich mühten,
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Ach! nicht lieblich, wie zuvor,
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Meine Blümlein sich hervor.

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Aschenfarb und welk, verblichen
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Jede Schöne, süßer Duft
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Nun verkehrt in Grabesluft!
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Todesschweiß und Schauer schlichen,
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Ob dem bangen, fürchterlichen
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Anblick, über mich; entwichen
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Wär ich schier. Der Rittersmann.
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Sah's und hub zu reden an:

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»einst hatt' ich ein Weib! Besingen
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Thät kein Dichter je ein Weib,
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Schön, wie sie, an Seel' und Leib;
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Keinem Maler (hundert gingen
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Stolz zum Werke!) thät's gelingen,
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Sie auf Leinewand zu bringen;
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Sie nur malte fein und glatt
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Einst sich auf ein Rosenblatt.

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Einst hatt' ich ein Weib!« (Es bebten,
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Als er's seufzte, perlenklar,
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Thränen an der Wimper Haar.)
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»lieb' und Gegenliebe lebten
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In uns; Ruh' und Wonn' umschwebten
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Uns, und Heiterkeit; die webten
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In des Lebens Ungemach
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Süße Freuden, Nacht und Tag.«

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Dennoch – Ach! der Weiber Herzen
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Sind ein Räthsel allzumal! –
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Fand sie Kurzweil manches Mal
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Mir zu brüten Sorg' und Schmerzen,
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Kalt zu küßen, kalt zu herzen,
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Leicht mit meiner Ruh' zu scherzen,
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Meiner Liebe! warm und treu,
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Immer alt und immer neu!

153
Immer thät das Wunder währen
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In dem Kelch; es saus'te, stieg,
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Blühte, welkte, braus'te, schwieg.
156
»was dies Sträußlein sei, dies Gähren,
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Sollst du,« sprach er, »staunend hören.
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Dieser Kelch faßt meine Zähren,
159
Die der Liebe Freudendrang,
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Und auch Gram, vom Auge zwang!« –

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Da erwacht' ich bebend. Sehen
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Thät ich, statt des Traumes Bild,
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Nur mein Weiblein süß und mild.
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Ihres Odems leises Wehen,
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Ihres Busens sanftes Blähen
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Hieß mein Beben schnell vergehen.
167
Deine Warnung, Nachtgesicht,
168
Dank der Liebe! schreckt mich nicht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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