Alexanders Rede an seine Soldaten

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Friedrich Hölderlin: Alexanders Rede an seine Soldaten (1785)

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Erhaben glänzend sieht, und wie ein Gott
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Auf seine Scharen Alexander hin,
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Wo jeder Spieß dem weit zerstreuten Feind
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Vereint durch gleichen Mut die Flucht empfiehlt.
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Sein scharfer Heldenblick belebt das Heer,
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Das jede drohende Gefahr vergißt.
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Sein rasches Pferd, das Siegesfreude schnaubt,
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Trägt ihn durch ihre Glieder; dann spricht er:
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Ihr Mazedonier, ihr deren Mut
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Athen einst, das an Tapferkeit euch glich,
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Unwissend schwacher Flucht, bezwang:
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O tapfre Krieger, die ihr Philipps Thron
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Befestigtet, um auch mir treu zu sein!
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Es hob sich euer Schwert, ihr wart nicht mehr
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Mit dichten Mauren, voll von Tod, umringt.
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Erst fiel Böotien; die stärkste Stadt
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Daraus (stark war der Mauren Wehr)
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Auch sie fiel gänzlich unter euren Fuß. –
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Und, Krieger, wie begierig waret ihr,
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Weit von dem Hellespont im Orient
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Euch Siege zu bereiten; mutig flog
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Die Zierde meines Reichs mir zu, um treu
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Kein Schwert des Kriegs, und nicht Gefahr zu scheun.
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Und nun, ihr tapfre Mazedonier,
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Hier ist der Sieg, hier eures Muts Triumph –
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Der Sieg, der schon aus euren Augen blickt,
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Wird des Tyrannen hartes Sklavenjoch,
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Womit er all dies Volk despotisch plagt,
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Zerreißen, und ihr, Freunde, werdet sein
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Und jedes Name wie einst Herkules.
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Seht, wie ein jedes Volk euch Sieger nennt,
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Wie es gehorsam euern Arm verehrt,
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Der keine Fesseln braucht; ein jeder dient
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Euch willig. – Kinder, glaubts, kein Thrazien,
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Kein steinigtes Illyrien wirds sein,
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Nein! Baktra, und das schöne Indien,
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Des Ganges Fluren sind der Sieger Sitz:
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Da ist der Lohn der Sieger Überfluß.
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O! Helden! seht, wie euer schöner Sieg,
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Wie er zu glänzen angefangen hat:
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Seht, euer Rücken, nie von Flucht befleckt,
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Hat lauter Ruhmstrophäen hinter sich.
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Und du, mutvolle Schar von Griechenland,
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Du wirst zu deinen Füßen ausgestreckt
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Die Schößlinge von Xerxes Übermut
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Und all die grausame Verwüster sehn.
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Dein Vaterland, dein Wohnsitz – war er dein?
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Wem war die Quelle deines Wanderers,
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Wem deine Saat? – war sie des Schweißes Lohn,
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Den ihrer Mutter Bau dich kostete? –
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Sie sinds, durch ihre Menge fiel dein Volk;
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Der Götter Hallen, welche du verehrst,
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Und deren Heiligkeit nur sonst der Raub
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Zum Schauer anderer antastete,
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Die lagen da, verheert, von Blut bespritzt,
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Und von der Asche deiner Stadt bedeckt.
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Ihr, Söhne Thraziens, ihr deren Hand
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Nur tapfre Waffen eures Sieges kennt,
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Seht, wie der Feind von Gold belastet ist,
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Euch, Brüder, ziert es besser, denens nicht
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Die Weichlichkeit als Sklaven geben wird,
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Euch mahnts an euern Mut, an euren Sieg.
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Geht, raubt den Memmen ihre Last, ihr Gold,
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Bewohnt, statt eurer nackten Hügel Eis
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Und alt bemooste Felsen, eures Feinds
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Vergnügenvoller Fluren Fruchtbarkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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