Die Nacht

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Friedrich Hölderlin: Die Nacht (1785)

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Seid gegrüßt, ihr zufluchtsvolle Schatten,
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Ihr Fluren, die ihr einsam um mich ruht;
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Du stiller Mond, du hörst, nicht wie Verleumder lauren,
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Mein Herz, entzückt von deinem Perlenglanz.

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Aus der Welt, wo tolle Toren spotten,
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Um leere Schattenbilder sich bemühn,
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Flieht der zu euch, der nicht das schimmernde Getümmel
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Der eitlen Welt, nein! nur die Tugend liebt.

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Nur bei dir empfindt auch hier die Seele,
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Wie göttlich sie dereinst wird sein,
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Die Freude, deren falschem Schein so viel Altäre,
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So viele Opfer hier gewidmet sind.

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Weit hinauf, weit über euch, ihr Sterne,
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Geht sie entzückt mit heilgem Seraphsflug;
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Sieht über euch herab mit göttlich heilgem Blicke,
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Auf ihre Erd, da wo sie schlummernd ruht....

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Goldner Schlaf, nur dessen Herz zufrieden
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Wohltätger Tugend wahre Freude kennt,
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Nur der fühlt dich. – Hier stellst du dürftig schwache Arme,
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Die seine Hülfe suchen, vor ihn hin.

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Schnell fühlt er des armen Bruders Leiden;
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Der arme weint, er weinet auch mit ihm;
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Schon Trost genug! Doch spricht er, gab Gott seine Gaben
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Nur mir? nein, auch für andre lebe ich. –

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Nicht von Stolz, noch Eitelkeit getrieben,
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Kleidt er den Nackten dann, und sättigt den,
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Dem blasse Hungersnot sein schwach Gerippe zählet;
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Und himmlisch wird sein fühlend Herz entzückt.

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So ruht er, allein des Lasters Sklaven
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Quält des Gewissens bange Donnerstimm,
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Und Todesangst wälzt sie auf ihren weichen Lagern,
32
Wo Wollust selber sich die Rute hält.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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