Hymnus

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Hymnus (1782)

1
Heilige Tonkunst, göttlichen Stammes!
2
Gespielin der Engel, Vertraute des Himmels!
3
Die gefallene Menschheit klagte;
4
Des Lebens Dornenpfad verwundet' ihre Sohle,
5
Eine blutige Thräne fiel auf die sengende Nessel:
6
Da trat'st du, Himmlische, im Schwanenkleide
7
Vor sie hin und hauchtest ihr
8
Nun klang die Saite unter dem ziehenden Bogen,
9
Nun klang das Goldgeweb der Harfe;
10
Nun klang der Lyra Silbergewebe;
11
Nun schmetterte Trompetenklang,
12
Und es wieherte das Streitroß d'rein.
13
Nun tönte das schallende Horn,
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Nun flisterte die weiche, lydische Flöte;
15
Nun wirbelte der Tanz,
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Nun schmolz der Jüngling in Liebe,
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– Zerfloß das bleichere Mädchen in Liebe.
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Im Tempel scholl Jehovahs Lob;
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Die Hallposaune tönte d'rein,
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Und die Asoor und die Githit und die schallende Cymbal.
21
Der Donner des
22
Der
23
Und Jehovah lächelte Gnade!

24
Laß mich dich, göttliche
25
– Denn auch mich hast du in den Stunden der Weihe besucht:
26
Du gabst mir männlichen Gesang und Flügelspiel,
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Daß ich gebiete der Thräne des Hörers zu fließen;
28
Daß ich färbe das Antlitz des fühlenden Jünglings
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Mit der Begeisterung Glut;
30
Daß ich dem lauschenden Mädchen
31
Seufzer der Lieb' entlocke;
32
Daß ich durch Wodansgesang schwelle den Busen des Mannes –
33
O laß mich dich, göttliche Polyhymnia,
34
Und deines Geschenkes himmlischen Werth nie entweihen!
35
Laß mich singen Jehovah –
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Der ist, der war, und der kommt!
37
– Dir, o Tugend, dir, frömmere Liebe,
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Dir, traulicher Scherz bei unentweihten Pokalen,
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Und, ach dir, o Vaterland, Vaterland,
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Das ich liebe, wie der Jüngling die Braut –
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Dir, o Vaterland der Helden und der Feuerseelen,
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Weih' ich mein Flügelspiel und meinen Sang!
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Wenn ich einst schlummere nach meines Lebens Mühen,
44
Wenn über meinem Gebein sich der Grabhügel thürmt,
45
Wenn ich meiner Ketten Last
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Am Grabgeklüft zurücke ließ:
47
So weil' ein zärtlicher Jüngling am Grabe,
48
So weil' ein fühlendes Mädchen am Grabe;
49
Sie schauen himmelan und sprechen
50
Mit dem Schimmerblick des tiefsten Herzgefühls:
51
Weht sanfter Lüfte, um diesen Aschenhügel,
52
Hier ruht Polyhymnias Freund!
53
Ihm gab Gott Sang und Flügelspiel,
54
Doch entweihte er nie die köstliche Gabe.
55
Die Harfe hing er im Tempel auf;
56
Und seine Telyn in Thuiskons Hain!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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