Jägerlied

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Friedrich Daniel Schubart: Jägerlied (1782)

1
Hans, Hans der edle Hirsch ist todt!
2
Die Thierwelt klagt um ihn,
3
Und wer ihm Trank und Speise bot,
4
Seufzt kläglich: Hans ist hin.

5
Der Jäger singt ein banges Lied,
6
Es horcht der Wald umher;
7
Denn Hans, der Stolz der Solitude,
8
Karls Liebling ist nicht mehr.

9
Weiß wie das Licht war unser Hans,
10
Ein Bild aus Duft gewebt,
11
Versilbert von des Mondes Glanz,
12
Das auf dem Hügel schwebt,
13
Wie Ossian in stummer Nacht
14
Oft vor sich schimmern sah;
15
Stand kaum in solcher Wunderpracht,
16
Wie Hans der Edle da.

17
Doch seine vierzehn Enden nicht
18
Und seiner Farbe Glanz
19
Besinge unser Klaggedicht;
20
Weit edler war der Hans.
21
So liebt' kein Menschenphilosoph
22
Wie er, die Einsamkeit;
23
Drum hat er das Geräusch am Hof
24
Der Hirschewelt gescheut.

25
Nur einen Freund hat er gewählt;
26
Hans dachte so dabei:
27
Wer viele Hirschefreunde zählt,
28
Dem ist oft keiner treu.
29
Auch war er schamhaft, war so keusch
30
In seinem Lebenslauf,
31
Und ohne brausendes Geräusch
32
Sucht er die Hirschkuh auf.

33
Noch mehr liebt' Hans die Menschen all,
34
War ihnen hold und treu,
35
Und flog, gelockt durch Pulverknall,
36
Wie Lichtesstrahl herbei.
37
Beleidigte die Menschen nie,
38
Nahm Speis' aus ihrer Hand,
39
Und legt sich freundlich unter sie,
40
Als hätt' er auch Verstand.

41
Doch immer dacht' er groß und frei,
42
(wer frei denkt, denkt auch groß)
43
Und drohte man mit Sklaverei,
44
Riß er sich muthig los.
45
So gern er fraß, so zog er doch
46
Des bittern Hungers Tod
47
Weit vor dem niedern Sklavenjoch,
48
Womit man ihn bedroht.

49
Und doch – auch edle Hirsche drückt
50
Die Last der Eitelkeit –
51
Hat er zwölf Lenze nur erblickt;
52
Wie kurz war seine Zeit!
53
Verendet hat das edle Thier,
54
Ein Frühlingslüftchen kam,
55
Das unsern Hansen sanft von hier
56
Ins Reich der Schatten nahm.

57
Auf einem Karren führen ihn
58
Die Jäger nun zur Ruh',
59
Und scharren mit betrübtem Sinn
60
Den todten Hansen zu.
61
Die guten Jäger stehen stumm,
62
Ihr Hans hat nun verend't;
63
Und pflanzen um sein Grab herum
64
Ein Hirschenmonument.

65
Die junge Eiche lieblich steht,
66
Streut Blätter auf sein Grab;
67
Der Fruchtbaum, wenn ein Lüftchen weht,
68
Wirft goldne Frucht herab;
69
Der Rosenstock verbreitet Duft
70
Im Frühlingssonnenglanz.
71
Das Jagdlied klagt: In dieser Gruft
72
Verwes't der edle Hans.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.