Der Bauer in der Ernte

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Friedrich Daniel Schubart: Der Bauer in der Ernte (1774)

1
Ihr Buben, frisch ins Feld hinaus,
2
Es winken uns die Aehren.
3
Wir wollen auf dem Acker draus
4
Den lieben Hergott ehren.
5
Hört, wie der Schwalbe Lied so fein
6
Auf unsrer Rinne klingt,
7
Und wie dies kleine Vögelein
8
So wunderlieblich singt.

9
Da schaut einmal die Halmen an,
10
Von tausend Aehren trächtig,
11
Und so viel tausend Körnlein dran;
12
Wie ist doch Gott so mächtig!
13
So gülden, wie mein Korn, ist nicht
14
Des kleinen Jörgleins Haar.
15
Jetzt glaub' ich, was der Pfarrer spricht,
16
Ich seh's ja, es ist wahr.

17
Ach seht nur doch, an jenem See –
18
Da plappern sie, die Störche! –
19
Und über mir in blauer Höh'
20
Da singt die kleine Lerche.
21
Sie schüttelt von den Flügelein
22
Den Thau auf meinen Hut
23
Und singt mir in das Herz hinein
24
Bei meiner Arbeit Muth.

25
Wie ist der Morgenwind so kühl!
26
Er schüttelt von den Aehren
27
Die bösen Würmer, die oft viel
28
Von unsrem Brod verzehren.
29
Die Wachtel sitzt in meinem Korn;
30
Mein Pommer stiert sie auf;
31
Er springt ihr nach und schnappt im Zorn
32
Umsonst nach ihr hinauf.

33
Die Wölklein ziehen über mir,
34
Wie Lämmlein, still vorüber;
35
Du guter Gott! wie dank' ich dir,
36
Mir gehn die Augen über.
37
Er, der mein Haus mit Trank und Brod,
38
Der mir mein Vieh erhält; –
39
So gut, wie unser lieber Gott,
40
Ist halt nichts auf der Welt.

41
In einem Orte, weit von hier,
42
Wie wird's da werden theuer!
43
Der Hagel fiel, man sagt' es mir,
44
So groß, wie Hühnereier.
45
Die guten Leutlein dauern mich
46
In ihrer großen Noth;
47
Gott weiß, mit ihnen theilte ich
48
Den letzten Bissen Brod.

49
Hellt stell' ich einen Feirtag an,
50
Den lieben Gott zu preisen;
51
Dort kommt ja mein Gevattermann,
52
Der singt nach allen Weisen.
53
Gelt, Weibchen, gelt, du singst mit mir?
54
Ihr Buben, lobet Gott!
55
Nun, G'vattermann, so singt uns für:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.