Jörg

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Jörg (1782)

1
Wie wohl ist mir in meinem Sinn!
2
Kein Mädel gibt's wie mein's;
3
Guck hin, guck her, guck her, guck hin,
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So findst in Schwaben keins.

5
So jung und hübsch, und doch so gut
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Wie Engel Gottes sind,
7
Und mir so treu, bei meinem Blut
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Möcht' weinen, wie ein Kind.

9
Hat Haar, kein Flachs ist traun so fein.
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Wie süß ihr Mündchen lacht!
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Es blinken ihre Aeugelein
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Wie Sternlein in der Nacht.

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Sie schafft dir früh, und schafft dir spät;
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Das gibt einmal ein Weib.
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Wenn sie die runde Spindel dreht,
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So hüpft mir's Herz im Leib.

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Und ist dir doch so gut dabei,
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So fromm und tugendsam –
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Und doch so heimlich, meiner Treu!
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So heimlich wie ein Lamm.

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Sie weiß dir nichts von Bauernstolz;
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Und hört sie Dudeldum,
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So dreht sie sich als wie ein Bolz
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Mit mir im Ring herum.

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Wollt' gestern auf die Kirchweih gehn;
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Da blieb das Mädel fein
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Mit mir vor einer Hütte stehn
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Und sprach: Jörg, komm herein.

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Da lag ein Armer auf der Streu
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Und kaute schimmlich Brod,
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Ein Krüglein Wasser stand dabei;
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Sie fühlte seine Noth,

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Und sprach: O Jörg, gib ihm dein Geld,
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Und hilf dem Armen nun;
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Nichts Liebers ist mir auf der Welt,
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Als Armen Gutes thun.

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Da griff ich nach dem Beutel schnell,
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Und gab's dem Armen hin.
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Des Mädels Augen wurden hell,
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Und mir ward wohl im Sinn.

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An Tanz und Kirchweih dacht' ich nicht.
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Der arme Kranke sprach
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Mit hellen Thränen im Gesicht
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Uns Gottes Segen nach.

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Und als ich auf die Wiese kam,
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War mir's im Herzen warm,
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Und, ach, mein liebes Mädel nahm
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Mich weinend in den Arm.

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Seitdem denk' ich in meinem Sinn:
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Kein Mädel gibt's wie mein's.
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Guck hin, guck her, guck her, guck hin,
52
So findst in Schwaben keins.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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