Winterlied eines schwäbischen Bauerjungen

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Winterlied eines schwäbischen Bauerjungen (1784)

1
Mädel, 's ist Winter, der wollige Schnee,
2
Weiß wie dein Busen, deckt Thäler und Höh'.
3
Horch, wie der Nordwind um's Häuslein her pfeift!
4
Hecken und Bäume sind lieblich bereift.

5
Mädel, 's ist Winter, die Bäche sind Eis;
6
Dächer der ländlichen Hütten sind weiß.
7
Grau und ehrwürdig, im silbernen Flor,
8
Streckt sich der stattliche Kirchthurm empor.

9
Mädel, 's ist Winter. Mach's Stüblein fein warm;
10
Setz dich zum Ofen, und nimm mich in Arm!
11
Lieblich und kosend, wie rosigen Mai,
12
Führt uns die Liebe den Winter vorbei.

13
Drehst du mit Fingern, so reinlich wie Wachs,
14
Seidene Fäden vom silbernen Flachs,
15
Schüttl' ich die Acheln dir schäkernd vom Schurz,
16
Mache die Nächte mit Mährlein dir kurz.

17
Mädel, 's ist Winter. O wärst du schon mein!
18
Schlüpft' ich ins blähende Bettlein hinein;
19
Nähm' dich, mein herziges Liebchen! in Arm,
20
Trotzte dem Winter; denn Liebe macht warm.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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