Mein letztes Wort an Regina

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Friedrich Daniel Schubart: Mein letztes Wort an Regina (1782)

1
Siegerin! versenkt in tiefes Trauern,
2
Ohne Kraft, die Thränen auszuschauern,
3
Weih' ich dir dies bange Abschiedslied.
4
Abgespannt sind alle meine Saiten,
5
Sieh, wie mir die Händ' heruntergleiten,
6
Ach, vom lagen Ringen sind sie müd.

7
Schwermuth, die auf meinem Herzen brütet,
8
Abschiedsqual, die feurig in mir wüthet,
9
Macht mein Lied zum hohen Sterbgesang.
10
In gebrochnen, seufzenden Akkorden,
11
Mit erstickten, halbgesagten Worten
12
Sing' ich dir des Herzens vollen Drang.

13
Alles ist um mich in Flor gekleidet,
14
In dem Schleier einer Wittwe schreitet
15
Vor mir her die seufzende Natur.
16
Alles, alles schwimmt um mich in Thränen!
17
Nirgends find' ich Widerstrahl des Schönen,
18
Gräber, furchtbargähnend seh' ich nur.

19
Denn du gehst – des Abschieds Todesstunde
20
Schlitzt mir, ach! die halbgeheilte Wunde
21
Mit der Hand von Eisen wieder auf.
22
Einsam, ohne dich, o Serafine!
23
Wein' ich mit vom Gram durchfurchter Miene
24
Aus dem Kerkerstaub zu Gott hinauf.

25
O du Schmuck vom weiblichen Geschlechte!
26
Komm, ergreif mir die gesunkne Rechte,
27
Daß ich dir die Hände drücken kann.
28
Ach nur einmal mit dem Aug' voll Liebe,
29
Mit dem Blick, von sanfter Wehmuth trübe,
30
Sieh mich einmal noch, Erwählte, an.

31
Eile dann hinunter von dem Walle,
32
Ach! – begleitet von dem dumpfen Schalle
33
Meiner Seufzer eile dann hinab.
34
Gottes Engel, der die Unschuld hütet
35
Und den Feinden um mich her gebietet,
36
Leite dich mit seinem goldnen Stab.

37
Wenn du wühlst im strahlenden Gewebe
38
Deiner Saiten, Zauberin, so schwebe
39
Geistig meine Angstgestalt um dich.
40
Denk: Dort droben leidet der Betrübte,
41
Der mit Feuerungestüm mich liebte,
42
Und nun klagt und jammert er um mich.

43
Falte dann für mich die frommen Hände,
44
Daß Gott meinen langen Jammer ende,
45
Mit der Freiheit, oder mit dem Tod.
46
Ach, dein Mitleid wird dir Jova lohnen,
47
Der schon oft die schönste seiner Kronen
48
Einer Seele, wie die deine, bot.

49
Sterb' ich, so besuche meinen Hügel,
50
Wo mein Leib, bedeckt vom Mutterflügel
51
Unsrer lieben Erd', im Grabe ruht.
52
Denk' in deiner schönen Seel': Hier unten
53
Hat der Arme einmal Ruh' gefunden
54
Vor dem Welthaß und Tyrannenwuth.

55
Ach dann wird sein Schatten um dich schweben,
56
Und wenn Thränen dir herunterbeben,
57
Wird er kühlen dir dein Angesicht.
58
Der Geliebte, der dir, stumm zur Seite,
59
Gab zu meinem Grabe das Geleite,
60
Liebt dich stärker dann, und eifert nicht.

61
Danken will ich dir in Gottes Garten,
62
Wo die Edlen auf einander warten,
63
Für die Freundschaft, die du mir geweiht.
64
Jede Ruh, die du in mich gegossen,
65
Alle Thränen, die dem Mitleid floßen,
66
Lohnt dir dann die Lust der Ewigkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.