Klage, tiefgestimmte Saite

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Friedrich Daniel Schubart: Klage, tiefgestimmte Saite Titel entspricht 1. Vers(1783)

1
Klage, tiefgestimmte Saite,
2
Aus dem weinenden Klavier!
3
Keinen Silberton der Freude,
4
Todeston entlock' ich dir!
5
Ach, Minetten, die dich spielte,
6
Die dir Geisterodem gab,
7
Wenn sie Lieb' und Mitleid fühlte,
8
Ach, Minetten deckt das Grab!

9
Noch seh' ich die Holde stehen,
10
Wie sie sanft auf mich geblickt,
11
Wenn ich alle meine Wehen
12
Mit den Saiten ausgedrückt.
13
Sang ich: »Ach, ich bin gefangen!«
14
O, wie fühlte sie mein Loos!
15
Bleicher wurden ihre Wangen
16
Und die Mitleidszähre floß.

17
Wenn ich
18
Las ich es im hellern Blick,
19
Wie ihr Herz vor Liebe brannte,
20
Wie sie fühlte Christenglück!
21
O dann schwammen Himmelstöne
22
Uni mein Ohr: Die Blume fällt!
23
Schau sie an in ihrer Schöne,
24
Sie ist reif für jene Welt!

25
O, verherrlichte Minette!
26
Engel, warum stand ich nicht
27
Auch vor deinem Sterbebette?
28
Sah, wie Jesus Christus Licht
29
Dir die Todeswange hellte!
30
Wie ein Blick ins Paradies
31
Dir die Lust der Welt vergällte
32
Und dir deine Krone wies!

33
Mutter, Bruder drüben, drüben,
34
Dachtest du, in Christus Reich,
35
Wo sich Fromme ewig lieben!
36
Seh' ich euch, umarm' ich euch!
37
So entlastet von den Bürden
38
Dieser Zeit, gingst du zur Ruh'.
39
Ach, wenn Engel sterben würden,
40
Stürben sie so schön wie du.

41
Fromme Mutter, weine milder;
42
Bruder, klage nicht zu sehr!
43
Himmlisch schweben ja die Bilder
44
Ihrer Wonne um euch her.
45
Seht, im Paradiese schreitet
46
Sie mit ihrem Ahnherrn Veit,
47
Himmlisch schön und schon gekleidet
48
Ins Gewand der Herrlichkeit.

49
Sanfter werde meine Klage
50
Aus dem weinenden Klavier,
51
Dank, und Lieb', und Wehmuth sage:
52
Dies ist ein Geschenk von ihr!
53
Ach, so lang ich noch die Saite
54
Bebend rühre, tön' ihr Klang
55
Bald, Minette, deine Freude,
56
Bald der Freundschaft Klaggesang.

57
Dort seh' ich dich wieder, dorten,
58
Wo du Lebenswasser trinkst,
59
Wenn du mir an goldnen Pforten
60
Mit dem Rosenfinger winkst.
61
»frei bist du« – O Freundin, sage
62
Dies zu meinem Geist einmal!
63
Doch Minettens Todtenklage
64
Schmilzt im feirlichen Choral.

65
Heil dir, du Gottgewählte,
66
Du junge Himmelsbraut!
67
Des Lammes Neuvermählte,
68
Ihm ewig nun vertraut!
69
Laß deine Blicke fallen
70
Herab auf unsre Noth.
71
Minette, wünsch' uns allen
72
Den schönen Christentod!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.