Der sterbende Indianer an seinen Sohn

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Der sterbende Indianer an seinen Sohn (1774)

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Ich sterbe, Sohn! Nimm diesen Kranz;
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Von Christenhaaren flocht' ich ihn;
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Statt Diamanten spielen drin
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Erschlagner Christen Zähne. Sohn,
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Ich sterbe arm; der Christen Geiz
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Ließ mir dieß Stroh, worauf ich sterbe,
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Und dort den Bogen – Ha, den Pfeil,
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Der fliegt und singt und trifft und tödtet!
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O Sohn, sieh deinen Vater an
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Und schwöre, mir ihm gleich zu sein!
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Sei kalt und keck und frei und gut,
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Und hasse den, der seinen Gott
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Entehrt! Dort unter jenem Baum
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Ist ein Altar, dort bete an!
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Des Cocusbaumes Wipfel säuselt
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Dein Flehn zum Vater der Natur
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Dem Himmel vor! Ich sterbe gern;
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Nun wirft kein Sturm den Fischerkahn
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Auf hohen Wogen hin und her.
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Ein ew'ger Frühling blühet dort.
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Mein Weib, ach, deine Mutter reicht
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Auf goldner Schal' mir Ananas.
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Aus Christenschädeln trink' ich dort
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Der Götter Wein! O
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Der große Kapak winkt mir schon!
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Leg' deine Hand auf meine Brust,
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Und schwöre mir! Begrabe mich,
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Wo deine Mutter liegt! Leb' wohl!

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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