Der rechte Glaub

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Der rechte Glaub (1776)

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Einst wandelten zur Himmelspfort'
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Drei abgeschiedne Seelen fort.
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Den Stuhl von Rom verehrte der
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Und zwei Kalvins und Luthers Lehr'.
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Der Päpstler wollt' der erste sein,
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Und schrie: »Sankt Peter, laß mich 'nein!«
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Der Eiferer vom Lutherthum
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Sprach: »Geh ins Purgatorium!
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Lutherus hat die Straße
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Geebnet zu des Himmels Thür!« –
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Darauf entstand gar großer Streit
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Von Himmel, Höll' und Seligkeit,
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Von Christen- und von Heidenlohn,
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Von Transsubstantiation,
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Vom Glauben und von Werken gut
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War gar ein schrecklicher Disput.
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Der Kalvinist sprach: Schweigt einmal,
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Ich halt' mich an die Gnadenwahl!
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Drauf hub der Streit von neuem an,
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Und noch ward's Thor nicht aufgethan;
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Doch endlich war Sankt Peter müd
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Des Lärms und bot den Zänkern Fried';
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Guckt durchs halb offne Thor und spricht:
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Für Zänker ist der Himmel nicht!
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Und schlug die goldne Pforte zu.
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Der Zänkerhauf' gab sich zur Ruh,
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Setzt sich auf eine Wolkenbank
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Und dacht: 's ist wahr, was nützt der Zank,
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Das Ketzermachen und der Spott?
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So sangen sie mit großem Schall.
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Die Engel hörten's allzumal
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Und waren alle hoch erfreut,
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Ob ihrer Lieb und Einigkeit. –
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Sankt Peter kam und machte drauf
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Die Himmelspforte wieder auf,
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Und sprach in Freud: Dieß hör' ich gern;
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Kommt ihr Gesegneten des Herrn!
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Die Dreie eilten Hand in Hand
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Nun in ihr himmlisch Vaterland.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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