Es starb einmal ein Bäuerlein

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Es starb einmal ein Bäuerlein Titel entspricht 1. Vers(1774)

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Es starb einmal ein Bäuerlein;
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Sein Engel, hell, wie Sonnenschein,
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Mit einem güldnen Stabe wies
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Dies Bäuerlein zum Paradies.

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Es ging an den bestimmten Ort
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Auf einer Morgenröthe fort,
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Kam an das Thor von Diamant
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Und klopfte sittsam mit der Hand.

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St.
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Und schrie: »Nun, wer ist wieder hier?«

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»ich bin ein armer Bauersmann,
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Der auf der Erde nichts gethan,
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Als seine Felder angebaut,
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Mit einem Weibe sich getraut,
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Die mir zum Stecken und zum Stab
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Ein Dutzend derbe Buben gab.
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In meinem Leben gab ich gern
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Die Steuern meinem gnäd'gen Herrn;
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Ich glaubte, was der Pfarrer sprach,
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Kam treulich seinen Lehren nach
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Und zahlt' ihn redlich, wie mich däucht,
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Für seine Predigt, Bet' und Beicht.
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Ich starb. Er salbte mich mit Oel;
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Ein Engelein wies meine Seel'
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Zu dir ins Paradies herauf:
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O heil'ger

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Nun öffnete die Pforte sich,
28
St.
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Du guter Mann verdienst gewiß
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Ein Plätzchen in dem Paradies.
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Du sollst's auch haben: aber heut,
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Mein Bäuerlein, fehlt mir die Zeit.
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Wir feiern heut ein großes Fest,
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Das mich an dich nicht denken läßt.
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Geh dort in jene Laube hin,
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Gewölbt von himmlischem Jasmin,
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Und warte, bis ich komme, da,
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Beim Nektar und Ambrosia!«

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Das Bäuerlein sprach: Habe Dank!
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Setzt' sich auf eine Veilchenbank,
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Und wartete, bis
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Erhabne Stille herrschte tief.

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Doch plötzlich sprang das goldne Thor,
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Der ganze Himmel war
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Es schwammen süße Symphonie'n
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Durch den entzückten Himmel hin;
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Der Schatten eines Priesters schwebt'
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Herauf, vom Lobesang erbebt'
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Der Himmel: »

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Mit Abraham und Isaak saß
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Der Selige zu Tisch und aß
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Das erstemal Ambrosia;
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Und
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Sang laut der Seraphimen Chor
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Um des entzückten Priesters Ohr.
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Und erst am Himmelsabend kam
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St.
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Mit sich den armen Bauersmann,
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Und wies ihm auch sein Plätzchen an.

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Der Bauer faßte wieder Muth
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Und sprach: »Herr
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Und sag mir, warum war denn heut'
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Im Himmel solche große Freud'?«

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»sahst du's denn nicht, sagt
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Ein frommer Priester schwebt' herauf?
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Drum hat ob seiner Seligkeit
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Der Himmel solche große Freud.«

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»so müssen,« fiel der Bauer ein,
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»im Himmel lauter Feste sein,
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Weil's ja viel tausend Priester gibt,
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Und jeder seinen Herrgott liebt?«

72
St.
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Und sprach: »Du liebe
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Ich, der ich bald
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Thürhüter in dem Himmel war,
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Hab' vor den Pfaffen gute Ruh';
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Doch solche Bauernkerls wie du,
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Die kommen oft so häufig an,
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Daß ich sie nimmer zählen kann.«

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Dies Märchen hat
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Und es in Knittelvers gebracht;
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Doch ärgert dich's, mein frommer Christ,
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So denk', daß es ein Märchen ist!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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