Ein Blick ins All

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Ein Blick ins All (1782)

1
Zerreiß, o Dunkel, das über mir hängt,
2
Laß mich durch des Wetterleuchtens Ritzen
3
Blicken ins Heiligthum!
4
Vergib es dem kühneren Schauer,
5
Jehovah, Erfüller des Alls,
6
Vergib es dem Mann von Erde,
7
Wenn er's durch die blitzzerrißne Wetternacht
8
Wagt, zu blicken ins Heiligthum.
9
Ist nicht jedes Wesen im ungeheuren All
10
Ein Goldstrahl, abgeleitet
11
Von aller Wesen Quellpunkt?
12
Und küssen sich im Vaterherzen Gottes
13
Nicht Engel und Menschen?

14
Wie du da warst, Unendlicher,
15
Eh' du dir im unermeßlichen Raume
16
Einen Thron der Offenbarung erkiestest;
17
Das denkt und faßt kein Geist,
18
So scharf er in die tiefsten Tiefen
19
Hinunterzublicken vermag.
20
Warst du ein reines Feuerwesen,
21
Strömend durch's Unendliche,
22
Das sich in kreisender Bewegung
23
Ewig zurück in sich selbst ergoß?
24
O wer vermag's zu stammeln,
25
Was du da warst, Jehovah,
26
Unbegreiflicher Einsamer!

27
Aber du tratst aus der Einsamkeit Lichtnacht,
28
Und dachtest den Gottesgedanken voll Liebe:
29
Ich will mich verklären an Tausendmaltausenden,
30
Und Tausendmaltausende sollen es fühlen,
31
Daß ich die Liebe bin.
32
Da sprach der Sohn, deiner Herrlichkeit Abstrahl,
33
Der göttliche Sprecher das Thatwort: Es werde!
34
Aus der Urnacht riß sich das Licht.
35
Himmel wölbten sich,
36
Sternwolken, Sonnenmassen wälzten sich
37
Im ungeheuren Raume.
38
Nun säuselten Gottes Winde,
39
Nun brausten die Wasser,
40
In allen Adern der Schöpfung flockte das Feuer,
41
Und die Erde sank, von ihrem Gewichte belastet,
42
In die Tiefe.
43
Bald sprudelten Quellen, es keimte das Gras.
44
Der Bäume breite Wipfel warfen Schatten
45
Und in den Blättern äugelte goldnes Obst.

46
Noch immer wehte der Odem des Lebens
47
Von den Lippen des Logos, und siehe!
48
Die Erde regte sich vom Thiergewimmel,
49
Der gährenden Erdscholl' entwand sich der Löwe.
50
Zum beseelten Hügel thürmte sich der Elephant.
51
Das Kaninchen spielte im Grase.
52
Im Strahle der jungen Sonne
53
Spiegelte sich die Eidexe.
54
Noch immer wehte der Odem des Lebens
55
Von den Lippen des Logos, und siehe!
56
Mit offnem Auge flog zur Sonne der Aar.
57
Es gluckt' im Busche Bardale.
58
Auf bräunlichem Aste kos'ten sich
59
Goldhalsige Tauben
60
Und um den Blüthenzweig summte der Käfer.

61
Noch immer wehte der Odem des Lebens
62
Von den Lippen des Logos, und siehe!
63
Aufgeregt ward die Wasserwüste
64
Von Bewohnern mit Flossen, Schuppen und Harnischen.
65
Da ward die inselgleiche Krabbe,
66
Da hing am Meerfels die Auster,
67
Da wogte der Wallfisch.
68
Da tanzt' im Silberbache die Grundel.
69
Aber noch war für die Erde kein König,
70
Der unsichtbaren Gottheit sichtbares Bild.
71
Myriaden Geister hatte der Schöpfer schon
72
Aus Duft und Licht und Wolken gehoben.
73
Doch von der Erde war noch keine dichtere Hülle
74
Für unsterbliche Geister gebildet.

75
Jehovah selbst betrat die Erde,
76
Nahm röthlichen Leim und formte
77
Des Menschen stattlichen Leib,
78
Blies in die Nas' ihm den Odem des Lebens.
79
Da stand nun der Mensch, emporgeschaffen vom Staube,
80
Aufgerichtet, in seiner himmlischen Schöne!
81
Vor ihm der bildende Schöpfer, sein Urbild.
82
Bang und süß durchzitterten ihn
83
Des Bewußtseins unaussprechliche Wonnen.
84
Vergiß es nie, daß ich dein Schöpfer bin!
85
Vergiß es nie, daß mein Geschöpf du bist!
86
So sprach Jehovah und lächelte Liebe.

87
Ein Fürst des Himmels, Satan war gefallen.
88
Er sträubte sich, den stolzen Nacken zu beugen
89
Unter der höheren Gottheit Befehle.
90
Gestürzt ward er in des Abyssus Schlund,
91
Myriaden Geister mit ihm.
92
Jetzt riß sich Satan stürmend durch der Hölle Thor,
93
Schwamm mit Zackenflügeln durch's Chaos,
94
Fand bald in Eden den Menschen
95
In seiner Kindheit, nackt und voll Unschuld.
96
Da krauste sich der Neid, wie Wettergewölk,
97
Auf des Verruchten Stirne.
98
Durch Ungehorsam zu stürzen den Menschen,
99
Ihn, ihm gleich, zum Empörer zu machen,
100
Den kindlichen Menschen vom Herzen
101
Des liebenden Vaters zu reißen,
102
In dampfenden Nebeln ihn dann
103
Hinunterzuwälzen zum Abgrund:
104
Das wollte Satan, und ach! ihm gelang's.
105
Der Mensch übertrat des Gehorsams leichtes Gebot
106
Und nun fiel er, ihn schreckte die Nähe des Schöpfers.
107
Jehovah's großer Gedanke:
108
Die ganze Erde soll ein Eden werden;
109
Allmählig neig' ich mich mit meinem Himmel herab,
110
Zu wohnen unter den Kindern der Menschen:
111
Ach, dieser Gedanke der ewigen Liebe
112
Ward nun – zerstört?
113
Ha, welcher Endliche vermag zu zerstören
114
Einen Gedanken des Unendlichen?
115
Nur unterbrochen ward Gottes Gedanke
116
Und auf Jahrtausende seine Erfüllung verschoben.

117
Brüder, wir alle werden wallen
118
In Gottes Paradies, wo Christus ist.
119
O stürb' ich heute schon, zu wallen
120
In Gottes Paradies, wo Christus ist!

121
Verdammt war nun der Mensch, zu baun das Distelfeld
122
Und auf Wegen von Steinen und Dornen
123
Blutig zu ritzen die Sohle.
124
In des Felsen Grotte gebar nun das Weib
125
Ihre Kinder mit Schmerzen,
126
Wickelte sie ins Fell vom Thiere,
127
Und Thränen sog der Säugling mit der Milch.
128
In Wüsten irrte der Menschenvater,
129
Rang die Händ' und jammerte,
130
Daß es wiederhallte vom Felsengeklüft:
131
Ach, meine Kinder, meine Kinder,
132
Durch meine Schuld im Elend!
133
Nur hielt sich die jammernde Menschheit
134
An der Verheißung goldnem Pfeiler:
135
Des Weibes Saame soll der Schlange Kopf zertreten.

136
Fürchterlich gohr das Gift der Sünde
137
In den Adern der Menschheit.
138
Ein Bruder lag erschlagen vom Bruder
139
Mit blutigem Haar am Opferaltare.
140
Leise jammerte die Stimme seines Bluts.
141
Mit blitzdurchfurchter Stirne
142
Irrte rastlos der erste Mörder
143
An des Meeres Gestad'
144
Und überbrüllte sein Wogengetös:
145
Verflucht, daß ich geboren bin!
146
Die Sünder verließen schattige Lauben,
147
Thürmten Felsen auf Felsen
148
Und nannten sie Städte.
149
Nun spritzt' in Sand der Erschlagenen Mark;
150
Von Gottesentweihung wiedertönten die Haine.
151
Gewaltthat in Riesengestalt
152
Legte der Knechtschaft ehernes Joch
153
Auf der Menschheit duldenden Nacken.
154
Von seiner höh'ren Würde sank in wilder Brunst
155
Und tobendem Stoffe der Mensch
156
Herunter zum Vieh.
157
Längst waren Henochs Hymnen, seine Gotteslehren
158
Waren längst verhallt. Er selber war
159
In Gegenden entrückt, wo keine Sünde ras't.
160
Gotteslästrungen brüllten
161
Aus verruchten Hälsen der Frevler.
162
Zischender Spott begleitete
163
Seths gotterfüllte Rede,
164
Bittre Schmach und Verfolgung
165
Noah's ernstere Warnung.
166
Da ward Jehovah müde
167
Zu tragen den frevelnden Sünder.
168
Die Schläuche des Himmels zerrissen; und Meere
169
Stürzten donnernd vom Himmel.
170
Von mächtigen Wassern geschwellt,
171
Bersteten die Adern der Erde.
172
Da wälzten schwarze Fluthen gigantische Sünder.
173
Nur wenige Fromme schwammen
174
In der sichernden Arche,
175
Mit der Kunde von Gottes Thaten
176
Und hohen Befehlen.
177
Die Wasser zerflossen: und die Aeser der Sünder
178
Faulten an der Sonne. Der Menschen
179
Zweiter Vater kniet' am Steinaltare,
180
Und um ihn her kniet' eine ganze Welt.
181
Mit der Lohe des Opferaltares
182
Zuckten Gebete gen Himmel.

183
Jehovah stand auf einem Regenbogen
184
Und schwur der Menschheit Gnade!
185
Keine tosende Fluth soll mehr die Erde verwüsten.
186
Nicht verborgene Winde sollen
187
Spalten die Adern der Erde
188
Und der Menschen Wohnstätte
189
Grimmig zum Chaos zusammenrütteln.

190
Nun flutheten wieder die Menschen
191
In Kindern und Enkeln, wie Meere,
192
Anzusiedeln und zu bebauen die Erde.
193
Neue Sprachen und Sitten und Länder
194
Entstanden. Vom glühenden Ost
195
Bis zum eisgebärenden Nord
196
Ward Menschengewimmel. Sie hausten,
197
Liebten oder würgten einander.
198
Der Urenkel vergaß des Einzigen Namen,
199
Den Namen Jehovah!
200
Formte sich Götter von Stein,
201
Knetete Teraphim aus Thone.
202
Da beschloß der Vater der Menschen
203
Sich zu wählen ein Volk, das da bewahrte
204
Den Namen Jehovah und seines Dienstes Weise,
205
Das schlecht und recht vor ihm wandelte
206
Und die Enkel lehrte die Wege des Herrn.

207
Abram, ein Ries' im Glauben,
208
Der ohne Hoffnung hoffte,
209
Der auf Jehovah's Befehl den Opferstahl
210
Zuckt' auf den Sohn der Verheißung;
211
Abram hörte vom Wipfel der Zeder
212
Säuseln die Stimme Jehovah's:
213
Zu meinem Volke hab' ich dich erkoren!
214
Und alle Erdgeschlechter sollen
215
In dir gesegnet sein.
216
Nun nannte sich der Herr
217
Den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.
218
Wie Meersand mehrte sich das gotterwählte Volk.
219
Mit mächtigem Arme entriß sie Jehovah
220
Dem Drucke Mizraims,
221
Wälzte den gekrönten Quäler seines Volks
222
Mit Wagen, Roß und Reitern
223
In des rothen Meeres
224
Donnernden Strudeln;
225
Gab mit Wetter, Feuer und Rauchdampf
226
Auf dem erbebenden Sina
227
Unterm Hall der Gerichtsposaune
228
Gesetze seinem Volke;
229
Machte Mose groß vor ihnen:
230
Und gebot der Erd', dem Schwert und der Seuche,
231
Hinzuwürgen die Schmäher seiner Gebote.
232
Mächtige Völker sanken vor dem Arme
233
Der Helden Israels in Staub hin.
234
Denn das Antlitz Jehovah's ging
235
Vor Israels gewähltem Volke her.
236
Dein sei Canaan, sprach der Herr.
237
Und Milch und Honig und röthlicher Wein
238
Strömte für sie. Für sie
239
Flüsterte das Weizenfeld.
240
Ihnen glänzt' in der Hütte des Stifts
241
Das Nachbild des Alls:
242
Jehovah im Dunkel!
243
Im Heiligen Priester und Erstlinge:
244
Der Hauf' im Vorhofe!
245
Gott
246
Sprach von der Lade des Bundes
247
Zwischen goldgeschwingten Cherubim.
248
Könige und Priester weissagten
249
Vom Messias, dem größten der Könige,
250
Dem rollenden Felsen vom Berge,
251
Der Weltreiche Riesenbild malmend!
252
Doch störrig war auch dies Volk
253
Gegen des Treibers streichelnde Hand.
254
Drum gab sie oft der Herr
255
Unter den eisernen Scepter der Feinde,
256
Die Jehovah's spotteten,
257
Und das Volk höhnten,
258
Dessen Harf' am Weidenbaume verstummte.

259
Jahrtausende waren vorübergerollt
260
Und siehe! der große Verheißene kam.
261
Jesus! der Messias! der Erlöser der Welt!
262
In der Erdenhoheit Nimbus kam Er nicht.
263
Er lag in der Krippe zu Bethlem.
264
Arm war seine Mutter. Sein Vater
265
Trug des Zimmerers Beil und Meßschnur.
266
Der Engel Lied hört' August und Herodes
267
Hörten Salems Große nicht: nur arme,
268
Schuldlose Hirten hörten den Weihgesang.
269
Der himmlische Knabe erwuchs,
270
Empfing den Geist der Salbung
271
In überströmendem Maaße.
272
Dieß ist mein lieber Sohn,
273
An dem ich Wohlgefallen habe!
274
Rief die Stimme Jehovah's vom Himmel.
275
Nun hob der Göttliche in der Einsiedelei
276
Den Fuß gegen der Schlange Kopf
277
Das erstemal, ihn zu quetschen,
278
Und nicht zu achten des blutigen Fersenstichs.
279
Kühn trat des Menschen Sohn den Riesenlauf an.
280
Er sprach, und Stürme schwiegen.
281
Er stand auf die Wog', und sie ebnete sich.
282
Er schwang die Geißel, und Tausende flohen.
283
Er sprach, und Gottes Donner jetzt
284
Und Himmelsmaiensäuseln jetzt
285
Tönt' in des Gewaltigen Rede.

286
Der Blinde sieht den Himmel wieder;
287
Dankt's ihm, dem Geber des Lichts!
288
Der Taube hört des Bruders Stimme wieder;
289
Dankt's ihm, dem Bilder des Ohrs;
290
Der Lahme tritt auf die Schenkel und leckt;
291
Dankt's ihm, dem Schöpfer der neuen Bewegung.
292
Ins Scheol dringt seine Wettersprache hinab;
293
Auf stehen wieder die Todten.
294
Und Jesus Christus Name! des Todtenweckers Name
295
Zittert auf der sich röthenden Lippe.
296
In der Größe Stille, in der Hoheit Demuth,
297
Ruhige Duldung des Erdenhohns,
298
Gehorsam, Muth beim überfluthenden Gefühle
299
Für jede Freude Schmerz zu wählen;
300
Nichts für sich und Alles
301
Für Gott und Seine Erlösten;
302
Flammeneifer gegen Gottesentweihung;
303
Göttliches Harren auf die Rückkehr des Sünders;
304
Himmlisches Lächeln auf jede beginnende Tugend;
305
Ein Kind neben dem Kind;
306
Neben dem Riesen ein Riese.
307
Ein Löwe dem Starken;
308
Dem Sanften ein Lämmlein.

309
Siehe, Sein Volk verkannt' Ihn.
310
Führt' Ihn zum Tode des Kreuzes.
311
Auf der Erwürgten Schädel spritzt' Sein Blut;
312
Er aber schrie: Vollendet! starb.
313
Entkörpert noch ein Held eröffnet Er
314
Des Paradieses Pforte. Der Cherub wich,
315
Ein armer Sünder war der Erste, der mit Ihm
316
In jene Laube trat, drin einstens Adam war
317
Und Eva, unsre Mutter.

318
Auch hinunter
319
In Geistergeklüft stieg der Held;
320
Und predigte gute Botschaft
321
Den Sündern der Vorwelt.
322
Drei Tage nur; und der Unverweste
323
Sprengte den Grabfelsen,
324
Und das staunende All
325
Hörte zuerst das große Wort:
326
Siehe, der todt war, lebt,
327
Von Ewigkeit zu Ewigkeit:
328
Und hat die Schlüssel
329
Der Höll' und des Todes!

330
Bald erhob Sich der Welten König
331
Triumphirend gen Himmel.
332
»mir ist gegeben alle Gewalt
333
Im Himmel und auf Erden.«

334
So sprach er, und Geister und Menschengestalten
335
Standen auf allen Sonnen und Welten
336
Und sahen dem Fluge des Siegenden nach.
337
Der Urhimmel zerriß. Jehovah trat
338
Von seines Thrones Höh' und sprach:
339
Komm, Lieber, setze dich
340
Zu meiner Rechte, bis ich lege
341
All' deine Feinde
342
Zum Schemel deiner Füße.

343
Gottes Wetter stürzen auf Juda herunter.
344
Wie Staub, vom Sturme gejagt, ward's von der Rachefaust
345
Geworfen unter die Völker.
346
Und ach, wie arme Heiden hörten
347
Die Stimme der lockenden Gnade:
348
Auch euer Heil wird Jesus Christus sein!
349
Bald ist sie eingegangen die Fülle der Heiden;
350
Dann wird Juda sich beugen
351
Vor seinem Messias, dem Allherrscher,
352
Israels Stämme werden all'
353
Zu Jesu Füßen weinen.
354
Ihre Kindlein werden die Weiber
355
Entgegenheben dem Heiligen.
356
Schluchzen werden sie: Messias, Messias,
357
Vergib, daß unsre Väter
358
Dich lästerten, Messias Jesus!

359
Ja, Jesus wird herrschen!
360
Die Empörer all' werden sich beugen vor Ihm!
361
Werden heulen im Urdunkel:
362
Weh uns, Er ist's, wir haben Ihn verkannt!
363
Die größern Frevler werden sich wälzen in Flammen
364
Und röcheln: Weh uns! Er ist's!
365
Im Thale Benhinnom werden faulen
366
Der Hingewürgten Aeser.

367
Aber wird die Stimme des Elends
368
Nicht einmal verhallen,
369
In den Tiefen, Höhen,
370
Breiten, Längen der Schöpfung?
371
Ist selbst der Bildner ganz selig,
372
So lang sein Gebild im Jammer verschmachtet?
373
Da schau hinauf, mein Geist, und weine!
374
Könntest du zählen die Sterne, du zähltest sie nicht;
375
Messen die Sonn' und den Mond;
376
Du thätest es nicht.
377
Sprächen Engel, du hörtest sie nicht.
378
Denn ich seh' Jesum!
379
Der Allversöhner spricht:
380
Jehovah erbarmt sich all Seiner Werke!

381
O des größten, himmelvollsten Auftritts,
382
Auf den sich so hinfreut die Gottheit,
383
So hinfreut der harrende Himmel,
384
So hinsehnt das ächzende Weltall:
385
Wenn kein Tod mehr ist!
386
Kein gequälter Geist
387
Aus des Abyssus Tiefen röchelt;
388
Kein Fluch mehr aus den Schlünden der Schöpfung
389
An des Himmels Pforten schlägt:
390
Wenn
391
Wenn auf's entsündigte All
392
Der Wesenvater niederblickt
393
Und unter'm Freudeweinen
394
Der verstummenden Natur
395
Vom Throne ruft: Siehe!
396
Es ist Alles neu!
397
Ich bin der Erste und der Letzte!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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