Auf die Leiche eines Kindes

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Auf die Leiche eines Kindes (1767)

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Freund der Herzen,
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Sieh die Schmerzen,
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Die am Grabe bluten.
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Schau', Erbarmer, wie die Deinen
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Unter modernden Gebeinen
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Ueber ihre Todten weinen.

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Thränen fließen,
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Weil wir müssen
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Zweige dorren sehen,
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Die, wie jugendliche Rosen,
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Von dem Morgenthau begossen,
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Aus dem Garten Gottes sprossen.

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Mütter stehen
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Stumm und sehen
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Auf die kleine Leiche.
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Väter schwanken vor dem Kinde,
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Wie die halb gewachsne Linde
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Vor der Wuth empörter Winde.

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Und die Kleinen
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Stehn und weinen
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Laut um den Gespielen.
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In des Todtengräbers Mienen
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Schauen sie durch ihre Thränen
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Wuth und Grausamkeit in ihnen.

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So verwelken
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Denn die Nelken
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Noch in ihrer Knospe?
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Blumen, die wie Sterne stehen,
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Müssen, wann die Winde wehen,
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Halb emporgeblüht vergehen.

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Doch nur stille!
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Gottes Wille
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Ist allein der beste.
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Der die Kinder uns gegeben,
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Hat die Macht, zu jenem Leben
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Diese Kinder zu erheben.

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Seelen werden
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Auf der Erden
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Größtentheils vergiftet.
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Darum nimmt, nach seinem Willen,
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Gott die Kinder hin im Stillen,
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Seinen Himmel auszufüllen.

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Aus dem Bade
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Seiner Gnade
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Strömt des Christen Leben.
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Ist ein Säugling – sprecht, ihr Thoren!
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Den die Taufe neugeboren,
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Schon im frühen Tod verloren?

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Weinet minder
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Für die Kinder,
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Eltern! spart die Zähren.
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Kann es ihren kleinen Seelen
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Da, wo keine Zweifel quälen,
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Wohl an der Erziehung fehlen?

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Sehet, dorten
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An den Pforten
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Seines Himmels winket,
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Jesus winkt mit holden Mienen,
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Und zu Lehrern gibt Er ihnen
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Engel, die dem Vater dienen.

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Darum schweigen
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Wir und beugen
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Unsern Nacken nieder.
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Wann die Erde wird vergehen,
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Werden wir in jenen Höhen
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Unsre Todten wieder sehen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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