Ein Blick auf die Welt

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Ein Blick auf die Welt (1767)

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Welt, die nur irdische Gemüther
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Mit ihren Banden fesseln kann,
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Der Christ schaut alle deine Güter
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Auf einer andern Seite an,
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Dein Gut ist Staub! dein Stolz zerfällt!
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Tand ist dein Glück! o arme Welt!

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Mein Glaube steht auf einem Berge
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Und schaut ins weite Thal hinab;
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Die Riesenkinder werden Zwerge
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Und jeder Hügel wird ein Grab.
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Gott, welch ein Zug! erst Gram und Noth,
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Furcht, Hoffnung, und zuletzt der Tod.

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O welche Aussicht in die Weite!
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Die Unschuld blickt durch einen Flor;
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Die Tugend geht im Trauerkleide
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Und Klagen wimmern laut empor.
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Die Seuchen liegen auf der Luft,
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Und überall ist eine Gruft.

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Welch ein Getümmel von Betrübten!
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Und Gott, wie jammern sie so laut;
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Dort klagt ein Weib um den Geliebten,
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Und hier ein Jüngling um die Braut.
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Von jedem Hügel jammert Noth
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Und hier ist Tod und da ist Tod.

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Ich kann nicht mehr; mit schwachen Füßen
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Eil' ich von meinem Berg hinab.
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Es klopft mein Herz und Thränen fließen;
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Wohin sie fließen, ist ein Grab.
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Ich stehe, wandle, sinke hin,
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Und Grab ist alles, wo ich bin.

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Tod und Verwesung und Verderben
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Beschließen unsern Lebenslauf.
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Denn:
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Tönt ja von jedem Sarg herauf.
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Auch mir schließt einst des Todes Ruh'
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Die wundgeweinten Augen zu.

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Nun, ich entfliehe mit den Frommen
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Dir, Welt, und aller deiner Pracht.
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Ihr aber seid mir jetzt willkommen,
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Tod, Sarg und Grab und Mitternacht!
41
Es flammt das Wort in meiner Brust:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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