Frei, wie ein Engel, stand er da

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Frei, wie ein Engel, stand er da Titel entspricht 1. Vers(1766)

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Frei, wie ein Engel, stand er da,
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Der Mann vor seinen Richtern;
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Verborgne Wuth und Rache sah
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Aus grimmigen Gesichtern.
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Doch Stephanus erzittert nicht
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Und schaut mit glühendem Gesicht
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Hinauf zu seinem Mittler.

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Es sieht sein Sonnenauge weit,
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Weit über blauen Höhen
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Den Glanz von Gottes Herrlichkeit
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Und Jesum Christum stehen.
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Entzücken zittert durch die Brust,
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Er stammelt, aufgelöst in Lust:
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Ich seh' den Himmel offen.

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Nur seine Mörder knirschten Wuth
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Und blickten ihm Verderben!
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Und Stephanus! dein Märt'rerblut
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Soll ihre Steine färben.
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Jedoch, dein Seufzer steigt hinauf:
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Nimm meinen Geist, Herr Jesu, auf!
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Dann sinkst du stumm zur Erde.

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Und Felsenstücke stürzen schwer,
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Zermalmend auf ihn nieder;
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Doch seufzt er nicht, nur betet er
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Für mörderische Brüder.
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Er hebt die morsche Hand und spricht:
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Behalte ihre Sünden nicht!
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Sinkt nieder und entschlummert.

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Erbarmer, auf der finstern Bahn
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Des Todes darf ich hoffen,
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Daß meine Seele sprechen kann:
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Ich seh' den Himmel offen!
33
Kann ich gleich nicht mit meinem Blut,
34
So will ich doch mit Christenmuth
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Dich in dem Tode preisen.

36
Doch, Vater, eh' ich sterben muß,
37
Und kann fast nimmer reden:
38
So laß mich noch, wie Stephanus,
39
Für meine Feinde beten.
40
Sein großer Seufzer flamm' in mir:
41
Herr Jesu, nimm den Geist zu dir!
42
Wer kann mich so verdammen?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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