1. Am Salbung des heiligen Geistes

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Christian Friedrich Daniel Schubart: 1. Am Salbung des heiligen Geistes (1779)

1
Fall auf die Gemeinde nieder,
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Geist! der uns mit Feuer tauft;
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Alle sind wir Jesu Glieder,
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All mit seinem Blut erkauft:
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Füll' uns mit der Andacht Gluth,
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Laß der Leidenschaften Fluth
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Nicht des Herzens Ruhe stören;
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Denn wir singen Gott zu Ehren.

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Salb' uns alle, lehr' uns feiern
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Jesu Christi Leidenzeit,
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Unsern Bund mit Gott erneuern,
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Lehr' uns, Geist der Heiligkeit;
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Rein und keusch sei unser Herz,
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Nicht von Eis und nicht von Erz;
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Und, von deinem Strahl getroffen,
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Jeder frommen Rührung offen.

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Weihe unsers Geistes Kräfte,
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Salbe, salbe den Verstand;
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Mach das göttliche Geschäfte
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Der Versöhnung ihm bekannt.
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Heilige die Phantasie,
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Seelenschöpfer! laß sie nie
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Bilder schaffen ohne Klarheit,
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Ohne Gottes Kraft und Wahrheit.

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Stell den Mittler neues Bundes
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Uns in seiner Schönheit vor,
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Bring die Reden seines Mundes
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Mächtig vor des Sünders Ohr;
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Führ' uns nach Gethsemane
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In das Allerheiligste,
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Wo des Richters Arm ihn schreckte
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Und mit Schweiß und Blut bedeckte.

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Zeig uns dann den Weltgebieter
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Unter seiner Mörder Schaar,
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Wie er duldete die Wüther
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Um ihn her; wie groß er war;
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Wie er falscher Zeugen Hohn,
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Purpurmantel, Dornenkron',
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Geißelschläge, Spott und Wunden
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Hocherduldend überwunden.

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Geh' mit uns dem Opferlamme
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Auf dem blut'gen Pfade nach;
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Zeig' uns an des Kreuzes Stamme
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Seines großen Todes Schmach;
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Fließt sein Blut, sein Blut, sein Blut,
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Geist des Herrn! so schaff' uns Muth;
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Hüll' uns ein in deine Flügel
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Auf dem nachtbeströmten Hügel.

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Seine letzten Worte schreibe
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Uns ins Herz mit Flammenschrift!
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Stärk' uns, Tröster! Bleibe, bleibe
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Bei uns, wenn der Tod uns trifft.
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Wann: Es ist vollbracht, versöhnt
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Ist die Welt! herunter tönt;
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Wann wir sehen seine bleiche,
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Kalte, blutbefloßne Leiche.

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Laß uns dann am Grabe weinen;
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Weinen laß uns nur genug,
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An den heiligen Gebeinen,
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Die auch unser Frevel schlug.
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Laß uns klagen, Mittler! Wir
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Sündenknechte haben dir
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Dieses Grab bereitet, haben
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Deine Wunden dir gegraben.

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Geist! du mächtiger Bekehrer
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Unsrer Herzen, zeig' uns dann
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Nicht in Christo nur den Lehrer,
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Der uns blos versöhnen kann;
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Nicht den bloßen Märtyrer;
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Zeig' uns mehr, o zeig' uns mehr!
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Lehr' uns, Geist! wie der Erwürgte
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Bei dem Richter für uns bürgte;

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Wie ihn unsre Schuld zerfleischte,
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Unsre Missethat verhöhnt;
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Wie der Richter Rache heischte,
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Wie das Lamm ihn ausgesöhnt,
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Wie er als Erlöser litt,
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Nun als Mittler uns vertritt;
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Wie er, unsre Schuld zu büßen,
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Seine Wunden Gott gewiesen.

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O den hohen Werth des Blutes
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Lehr' uns, Geist des Ewigen!
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Dies Gewicht des höchsten Gutes
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Für die armen Sterblichen.
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Fach den Glauben in uns an,
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Daß, wenn Zweifelsucht und Wahn,
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Wenn des Fleisches Trieb uns peinigt,
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Dieses Opferblut uns reinigt.

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O du heilige Gemeinde,
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Blick zu deinem Haupt empor,
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Zum Messias, deinem Freunde,
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Den zum Lamme Gott erkor.
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Welche Wonn' und Seligkeit
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Schafft die stille Leidenszeit!
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Sie entreißt uns dem Getümmel,
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Lüpft den Vorhang von dem Himmel.

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Leiden, wie der Mittler leiden
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Wollen wir, zu Gott gekehrt;
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Sterben wollen wir mit Freuden,
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Weil sein Tod uns sterben lehrt.
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Sehen werden wir dann ihn,
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Tod! o Tod! du bist Gewinn!
103
Bist ein Aufflug in die Hütten,
104
Die der Gottmensch uns erstritten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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