Hiobs Klage und Trost

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Hiobs Klage und Trost (1767)

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Wer legt den Jammer meiner Tage,
2
Wer meine Leiden, meine Qual,
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Wer leget sie auf eine Wage
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Und wiegt die Felsenlast einmal?
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Schwer ist sie, wie Gebirge schwer,
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Und zahlreich, wie der Sand am Meer.

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Wenn Gottes Pfeile in mir stecken,
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Und wenn ihr Zürnen aus mir säuft;
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Wenn, wie ein Krieger, mir ein Schrecken
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Der Allmacht nach der Seele greift:
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Dann lieg' ich, unter meiner Noth,
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Gekrümmt, und rufe laut dem Tod.

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Was bist du Leben auf der Erden?
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Ein Streit, ein Leben voll Verdruß,
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Wo man den täglichen Beschwerden,
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Gleich einem Sklaven, fröhnen muß;
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Ein langer Seufzer nach der Ruh',
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Nach kühlen Schatten, das bist du!

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Viel Nächte hab' ich durchgeweinet,
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Und wie auf Dornen zugebracht;
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Doch schrei' ich, wenn der Tag erscheinet:
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Wann kommt die Nacht, wann kommt die Nacht?
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O Finsterniß, wann deckest du
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Mich Scheusal vor der Sonne zu?

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Wo ist ein Balsam, mich zu heilen?
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Wo ist der Arzt, dem es nicht graut?
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Mein Körper starrt von Eiterbeulen,
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Und Würmer nisten in der Haut.
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Gott, was umdämmst du mich so sehr,
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Wie einen Walfisch, wie ein Meer?

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Komm, Tod, du Ende meiner Qualen,
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Du sanfter Schlummer nach der Noth;
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Ich seufze schon zu tausendmalen
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Nach dir! Wann kommst du doch, o Tod?
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Wann kühlest du im stillen Grab
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Den heißen Schmerz mit Erde ab?

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Doch, welch ein Trost, der, wie die Sonne
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Aus Donnerwolken, sich erhebt!
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Ich weiß – Gedanke voller Wonne!
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Ich weiß, daß mein Erlöser lebt.
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Ich weiß – mein starker Glaube spricht:
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Er lebt! Er lebt! ich zittre nicht.

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Entflieht, der Höll' entflohne Schrecken,
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Weil Gottes Trost in mir erwacht;
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Er wird mich Armen auferwecken
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Aus meines Grabes Mitternacht.
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Dann wird kein Eiter, keine Pein
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Ein Henker meines Körpers sein.

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Mit diesen meinen Augen sehen,
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Die hier mein Elend roth geweint.
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O welch ein hoher Trost für mich!
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Ich soll den Mittler schauen, ich!

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Laßt den Gedanken voll Vertrauen,
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Die Lindrung in der Todespein,
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Laßt ihn in einen Felsen hauen,
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Grabt ihn in Erz und Marmor ein,
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Den Trost, der meinen Geist erhebt:
58
Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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