Das Verderben der Welt

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Das Verderben der Welt (1767)

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Wenn auf die verdorbne Welt
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Still ein Blick der Seele fällt:
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O, so schauert mir die Haut,
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Und dem Tode ruf' ich laut.

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Laster brausen hoch einher,
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Wie die Wogen auf dem Meer,
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Unaufhaltsam, wie die Wuth
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Jener allgemeinen Fluth.

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Auf den schwarzen Wogen thront,
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Satan, den die Rache schont;
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Denn sie spart auf jenen Tag
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Ihren großen Donnerschlag.

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Menschen treiben kühnen Spott,
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Schwellen auf und lästern Gott;
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Und der kaum geformte Thon
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Trotzet seinem Töpfer schon.

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Wahn und kühner Zweifel macht
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Aus dem Tage Mitternacht;
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Spötter der Religion
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Sprechen Gott und Tugend Hohn.

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Von dem Throne bis zum Pflug
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Herrscht Verstellung und Betrug;
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Und Verbrecher können nun
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Ohne Ahndung Böses thun.

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Aufgefressnes Wittwengut,
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Und zerquetschter Waisen Blut;
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Frevler, unter deren Fuß
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Sich die Tugend bücken muß;

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Stolz und Heuchelei und Neid
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Unter einem frommen Kleid;
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Geiz, der in dem Winkel sitzt
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Und den Drachenschatz beschützt;

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Wilde Lust, die lockend blickt
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Und den Geist zur Erde drückt;
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Christen, die berauscht und blind
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Ihre eigne Henker sind;

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Kinder, gegen Lehrer taub;
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Jünglinge, der Lüste Raub;
39
Männerherzen, ohne Muth;
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Sünden, die das Alter thut;

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Einen Freund, wie Joab ist,
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Der mit gift'gen Lippen küßt,
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Und mit heitrem Angesicht
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Freunde mörderisch ersticht:

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Erde, bist du das – und Er
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Donnert nicht, der Donnerer?
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Mitternacht, o! decke du
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Diese Drachenhöhle zu.

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Komm, des Schlafes Bruder, Tod!
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Lieblich, wie das Morgenroth,
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Kühlend, wie der Westwind weht,
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Lächelnd, wie ein Blumenbeet.

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Führe mich aus dieser Welt,
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Ehe Feuer auf sie fällt;
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Reich' mir deine milde Hand,
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Bringe mich ins Vaterland.

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Todte in den Gräbern hier,
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O! wie glücklich seid ihr mir,
59
Die ihr vor der Laster Wuth
60
Sanft beschützt im Grabe ruht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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