Urquell aller Seligkeiten

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Urquell aller Seligkeiten Titel entspricht 1. Vers(1780)

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Urquell aller Seligkeiten,
2
Die in Strömen sich verbreiten
3
Durch der Schöpfungen Gebiet;
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Vater, hör' mein flehend Lied!

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Nicht um Güter dieser Erde,
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Des erhabnern Geists Beschwerde,
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Nicht um Goldstaub, der verweht;
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Nicht um Ehre, die vergeht;

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Nicht um Blasen, Kinderpuppen,
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Um die Schlang' mit goldnen Schuppen,
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Um die Weltlust komm' ich nicht,
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Vater, vor dein Angesicht.

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Nicht um frische Lebensfluthen,
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Sie in Thränen wegzubluten;
15
Nicht um längres Leben fleht
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Dich mein klagendes Gebet.

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Nicht nach Freiheit will ich schreien.
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Engel würden mir's verzeihen,
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Wenn ich mit gebognem Knie
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Immer Freiheit! Freiheit! schrie.

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Weg mit Gütern dieser Erde!
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Güter von dem höchsten Werthe,
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Die der Himmel selber preist,
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Solche Güter sucht mein Geist.

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Schätze, welche nie verstäuben,
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Tugenden, die ewig bleiben,
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Thaten, eines Christen werth,
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Sind es, die mein Herz begehrt.

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Geber aller guten Gaben!
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Festen Glauben möcht' ich haben;
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Wie ein Meerfels unbewegt,
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Wenn an ihn die Woge schlägt;

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Lieb', aus deinem Herzen stammend,
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Immer rein und immer flammend,
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Liebe, die dem Feind verzeiht
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Und dem Freund das Leben weiht;

37
Hoffnung, die mit hohem Haupte,
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Wenn die Welt ihr Alles raubte,
39
Hinblickt, wo sie wonnevoll
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Alles wieder finden soll.

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Hohen Muth im Kampf des Christen
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Mit des Erdenstaubes Lüsten;
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Sieg dem Geist! und wenn er siegt,
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Demuth, die im Staub sich schmiegt;

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Duldung, alle Lebensplagen
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Mit Gelassenheit zu tragen;
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Stilles Harren, bis der Tod
48
Mich erlöst auf dein Gebot;

49
Und dann Christenmuth im Sterben.
50
Wann die Lippen sich entfärben,
51
Einen Seufzer noch zu dir:
52
Jesu, nimm den Geist von mir!

53
Willst du Herr von meinem Leben,
54
Diese Seligkeit mir geben;
55
So wird meine Kerkernacht
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Mir zum Paradies gemacht.

57
Immer will ich beten, ringen,
58
In den Banden, danken, singen;
59
Harren, bis es dir gefällt,
60
Mich zu holen aus der Welt.

61
Seele, gib dich nun zufrieden:
62
Jesus kennt und stärkt dich Müden;
63
Nur vergiß nie sein Gebot:
64
Sei getreu bis in den Tod.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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