Vertrauen auf Gottes Schutz

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Friedrich Daniel Schubart: Vertrauen auf Gottes Schutz (1782)

1
O Gott! wie gut ist's, dir vertrauen!
2
So tief, so innig fühlt' ich's nie,
3
Verzeih, wenn Thränen niederthauen,
4
Denn deine Hand entlockte sie.
5
Da steh' ich wie ein Fels im Meere,
6
Bestürmt und doch versenkt in Ruh',
7
So voll Vertrauen, Gott! als wäre
8
Nichts auf der Welt, als ich und du.

9
O Gott! wie gut ist's, dir vertrauen!
10
Ich fühl's, wenn mich das Elend würgt,
11
Wenn hinter schwarzer Wolken Grauen
12
Sich jeder Stern vor mir verbirgt;
13
Wenn Stürm' um meinen Kerker brüllen,
14
Wenn um mich zückt des Blitzes Pfeil;
15
Dann leg' ich mich in deinen Willen
16
Und überhör' das Sturmgeheul.

17
O Gott! wie gut ist's, dir vertrauen!
18
Der mit dem Mondschild uns bedeckt,
19
Wenn Felsenwände uns verbauen,
20
Wenn Gitter, Schloß und Riegel schreckt;
21
Wenn Einsamkeit mit stummer Lippe
22
Und schwindelnd auf uns niederschaut,
23
Wenn vor dem scheußlichen Gerippe
24
Des Todes unsre Seele graut.

25
O Gott! wie gut ist's, dir vertrauen!
26
Was ist's, wenn Menschenhülf' uns flieht?
27
Und, wie von Fluch getroffnen Auen
28
Das Wild, bei uns vorüberzieht?
29
Was ist's, wenn Peiniger uns hassen,
30
Wenn um uns zischt die Schlange Spott?
31
Wenn Brüder selber uns verlassen?
32
Wir sind doch stark, wir haben Gott!

33
O Gott! wie gut ist's, dir vertrauen!
34
Was that dein Sohn? Er traute dir,
35
Er ließ die Skorpionen hauen,
36
Und sprach: Der Vater ist bei mir!
37
Er trug die Schmach der Dornenkrone,
38
Der Geißel Zug, des Kreuzes Pein,
39
Und hüllte sich beim lauten Hohne
40
Der Höll' in sein Vertrauen ein.

41
O Gott! wie gut ist's, dir vertrauen!
42
Wenn die Gewaltthat nach uns greift,
43
Uns hält in ihren Tigerklauen,
44
Und unser Blut tyrannisch säuft.
45
Sie würgt ja nur des Staubleibs Glieder,
46
Doch Christenseelen würgt sie nicht,
47
Auch diesen Leib erweckst du wieder
48
Und schreckst Tyrannen mit Gericht.

49
O Gott! wie gut ist's, dir vertrauen!
50
Auf Fürsten, den erhöhten Staub,
51
Sollt' ich den Thurm der Hoffnung bauen?
52
Auf Fleisch, des Wurms gewissen Raub?
53
O nein, du Helfer aus den Nöthen,
54
In dich, in dich bau' ich hinein,
55
Für meinen Fürsten will ich beten,
56
Doch mein Vertrauen, Gott! ist dein.

57
O Gott! wie gut ist's, dir vertrauen!
58
Der helfen kann, und helfen will;
59
Ich wandle fort auf meinem rauhen,
60
Bethränten Pfad und schweige still.
61
Dein Sohn steht ja auf diesem Pfade,
62
Und spricht: Die Leiden dieser Zeit
63
Sind lauter Zeugen meiner Gnade,
64
Und enden sich mit Seligkeit.

65
O Gott! wie gut ist's, dir vertrauen!
66
Mich dünkt, ich seh' dich voller Huld
67
Auf meine Bande niederschauen,
68
Es rauscht um mich: Geduld! Geduld!
69
Dich decken meiner Liebe Flügel!
70
Vertrau nur Gott, und sei getreu.
71
Bald springen deines Kerkers Riegel,
72
Mein bist du dann, und ewig frei!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.