Bei der Einweihung der Soldatenkirche zu Ludwigsburg

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Bei der Einweihung der Soldatenkirche zu Ludwigsburg (1782)

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Kein Monument, mit Schweiß und Blut bespritzt,
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Kein goldnes Haus, wo stolz auf Marmorquader
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Der falsche Ruhm mit Fluch beladen sitzt,
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Erthürmt sich heute unser Vater!

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Wie bald zerstäubt ein Monument von Erz,
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Auch eingeweiht mit asiat'schem Pompe!
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Zur ew'gen Katakombe.

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Er spricht – und Felsenrippen stehen da!
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Geweiht als Heiligthum zu seines Gottes Ehre!
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Und Jehovah! und Jehovah!
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Ertönen Kanzel und Altäre!

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Schon eilt der Fürst, wie Salomo,
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Ins Gotteshaus an seiner Kinder Spitze,
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Und seine Andacht steigt, wie Loh
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Vom Opfer auf zum Sternensitze.

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Ha! Rauchgewölk erfüllt das Haus,
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Die Donner der Erhörung reden
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Aus einer Wetternacht heraus,
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Die segnen und nicht tödten:

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Der Himmel ist für meinen Stuhl zu klein,
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Zu klein für meinen Schemel ist die Erde!
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Doch weih' ich dieses Haus zu meiner Wohnung ein
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Und den Altar zu meinem Opferherde!

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So spricht der Herr. Der hohen Andacht Glut
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Ergießt sich schon in Jubellieder!
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Es strömt der Taufe Krystallflut!
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Versöhnung träuft vom Kelche nieder.

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Des frommen Priesters Stimme fällt
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Ins dürre Herz, wie goldner Regen.
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Der Sünder denkt ans Heil der Welt,
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Und fühlt den bluterkauften Segen.

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Die Krieger heben die gestählte Hand
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Zu Gott am Tag der Tempelweihe,
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Sie schwören Gott, dem Vaterland,
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Und dir, o

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Und das Soldatenkind hüpft an der Mutter Brust,
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Vom Vorgefühl der künft'gen Wonne trunken;
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Der Kläger selbst fühlt heut' nur Himmelslust,
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Aufs Tempelpflaster hingesunken.

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Und Ludwigsburg umringt im Strahlenkreis
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Den großen Stifter dieser Scene.
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In Psalmenflügen tönt ihr Preis,
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Es glüht ihr Dank in jeder Thräne.

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Wer sind die hundert Armen dort,
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Um die der Dank die Seraphsschwingen breitet?
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Hat uns gespeist, getränkt, gekleidet!

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Soldatenwaisen fallen aufs Gesicht,
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Mit überm Haupt geschlungnen Händen;
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Und was der Waisen Einfalt spricht,
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Schallt himmelan von wiedertönenden Wänden.

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Kein Psalmendonner spricht so laut,
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Wie Waisendank und wie des Armen Zähre;
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Wer jedem Elend hilft, wer Gotteshäuser baut,
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Braucht keinen Herold seiner Ehre!

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Nur frommer Dank von deiner Stadt,
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Nur Ehrfurcht strömt zu deinen Füßen,
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O
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Und dem der Wonne Thränen fließen!

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Sei deinen Kindern ferner hold,
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Erhabner Fürst, die Glorie der Gnade
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Umstrahle dich wie Sonnengold
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Und werfe Licht auf deines Volkes Pfade.

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Dein treues Ludwigsburg liegt hier
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Und läßt aus neuen Tempelhallen
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Ein freudiges:
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Mit heißem Flehn für ihren Fürsten schallen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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