Klage

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Christian Friedrich Daniel Schubart: Klage (1766)

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Kein Cedernbaum von Libanon,
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Kein Lorbeer aus Apollos Haine,
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Kein Pindus und kein Helikon
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Zum Göttersitze für die Neune –

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Kein Tempe blühet um mich her,
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Kein Schäferland, der Zeiten Wunder;
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Mein Himmel hängt von Donnern schwer,
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Schwarz wie die Nacht, auf mich herunter.

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Aus keinem dunklen Busche wallt
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Für mich ein Lied der Philomele,
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Aus Trümmern alter Schlösser schallt
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Des Uhus Gram aus rauher Kehle.

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Nie seh' ich, falscher Bacchus, dich
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Aus der krystallnen Flasche winken,
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Mit Fischen muß ich kümmerlich
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Im Wasser meinen Durst vertrinken.

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Statt weicher Rasen sitze ich
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Auf zugespitzten harten Felsen,
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Und seh' es, wie sich fürchterlich
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Die Ströme in die Thäler wälzen.

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Wenn giftgeschwollne Hydern mir
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Die dreigespitzte Zunge weisen;
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So flieh' ich, daß die Dornen mir
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Das Fleisch von meinen Fersen reißen.

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Ich trage – Schweiß im Angesicht!
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Die Last herkulischer Geschäfte;
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Nur Herkuls Keule hab' ich nicht,
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Und seiner Schultern Riesenkräfte.

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Doch mitten in dem Kummer braust
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In meiner Brust olympisch Feuer,
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Und stürmend schlägt die kühne Faust
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Die Silbersaiten meiner Leier.

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Oft tönt sie wie ein Wetter laut,
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Um meine Furcht zu überschreien,
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Wenn der erschrocknen Seele graut
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Vor Stürmen, die ihr zürnend dräuen.

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Wenn zahlreich, wie ein Bienenschwarm,
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Die Narren sich um mich verbreiten;
39
So zupft ein Satyr mich beim Arm
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Und deutet komisch auf die Saiten.

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Dann brummt der Baß zu ihrer Schmach
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In Juvenalischen Gesängen:
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Der Satyr geißelt hinten nach,
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Und lehrt die fetten Thoren springen.

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Doch schleicht die Elegie mir nach
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Mit rothem Aug' und starren Füßen;
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So lass' ich einen Thränenbach,
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Wie Blut aus Abels Wunde, fließen.

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Fällt einst mein Trost, die Leier, mir
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Aus zitternden entnervten Händen;
51
So mag Apoll an Gräbern hier
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Mein durchgeseufztes Leben enden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Daniel Schubart
(17391791)

* 24.03.1739 in Obersontheim, † 10.10.1791 in Stuttgart

männlich, geb. Schubart

deutscher Dichter, Musiker, Komponist und Journalist

(Aus: Wikidata.org)

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