1827.

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Erdmuthe Dorothea von Zinzendorf: 1827. (1728)

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1. Lamm! unser augenmerk bleibst du doch, wahrlich, nicht nur auf eine weile, nein, beharrlich.
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2. Wir sind nun einmal so an dich gewöhnet, daß, wenn du fehlest, man sich ängstlich sehnet:

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4. Drum werden wir zu dir auch täglich dreister; du
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5. Es ist nicht möglich, wenn wir was beginnen, daß wir uns nebens Lamm herum besinnen.
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6. Wir müssen eh das allerliebste lassen, wenn wirs nicht können mit dem Lamme passen.
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7. Es macht uns nichts ein bleibendes vergnügen, als wo das Lamm kan freud und ehre krigen.
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8. Das Lamm ists, das man stets im munde führet, wenn sich die zunge nur zum zeugen rühret.
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9. Warum? das darf von uns wol keines fragen, das innere gefühl wirds iedem sagen.
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10. Wir sehn dich als geschlachtet vor uns stehen, das pflegt uns mark und adern durchzugehen.
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11. Es ist nun so; nichts kan uns unterdrükken, nichts kan dasselbe flämmelein erstikken.
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12. Ja herz und mund laufft bey dem denken über; mir geht es so, und ich versinke drüber.
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13. Du bist auch, wenn wir etwas nöthig haben, das will'ge Lämmelein, uns zu begaben.
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14. Du herz! wie macht das einen doch so kindlich: man spricht mit dir als redete man mündlich,
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15. Denn schüttest du auf deine dürft'ge maden auch allen reichthum deiner Gottes-gnaden.
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16. Man hat nochs wort im munde, sieh, so regen sich schon die kindisch ausgebet'ne segen.
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17. Die heutige erbarmung, gnad und treue die ist den morgen wieder da aufs neue:
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18. Allein das auge sah dich als geschlachtet; drum wird kein ander bild mehr recht betrachtet.
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19. Dein Blut, das über unsrer erde schwebet, das ist das element, darinn man lebet.
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20. Man merket die gesunde luft der seele auf eine art auch an der leibes-höle.
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21. Und ihr genuß im streiter-mahl der boten beschleunigt das erwachen von den todten.
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22. O mahl! ich lasse dich an seinem orte, denn, mahl! du bist doch über alle worte.
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23. Möcht ich nur als ein solcher zeuge handeln, in dem man Jesum sieht glaubhaftig wandeln.
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25. Der tödtung alles dessen, was unbeugsam, durch den für meine noth erblaßten leichnam.
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26. So sähe man denn eins von deinen kindern, so kindern, wie sie werden aus den sündern.
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27. Ja, sünder-recht! wie könt ich dich verschweigen! du bist, Gott lob! ein gut, das unser eigen.
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28. Erhalts uns, Lamm! als unsern eignen segen, um deiner heiligen fünf wunden wegen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Erdmuthe Dorothea von Zinzendorf
(17001756)

* 07.11.1700 in Saalburg-Ebersdorf, † 19.06.1756 in Herrnhut

weiblich, geb. Reuss

deutsche Pietistin und Kirchenliederdichterin

(Aus: Wikidata.org)

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