So hast Du auch den Lauff vollbracht

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Carl Friedrich Drollinger: So hast Du auch den Lauff vollbracht Titel entspricht 1. Vers(1715)

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So hast Du auch den Lauff vollbracht,
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Berühmtes Haubt! so sinckst Du nider.
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Und schließst die müden Augenlider,
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Die lang für deine Stadt gewacht!
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Dich hat ein spätes End entrissen:
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Doch wer Dir an Verdiensten gleicht,
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Und hätt er Tausend Jahr erreicht,
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Den muß man stets zu zeitlich missen.

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Wie, daß ihr jede Last der Welt,
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Ihr Dichter, zu vergöttern suchet,
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Und Dohrheitsvoll dem Tode fluchet,
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So oft er einen Menschen fällt!
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Nun, nun ermuntert Kunst und Dichten!
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Nun heischts ein würdig Trauerfest;
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Was schnödes Heücheln oft erpreßt,
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Das fordern jetzund Treü und Pflichten.

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Doch was soll eüer schwacher Tohn
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Um unsers Haubtes Gruft erschallen?
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Wer weinet nicht, daß er gefallen?
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Ein grosses Volk beträhnt Ihn schon.
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Helvetiens vereintes Klagen
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Wird seinen wolverdienten Preis
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Mehr, als der grösten Dichter Fleiß,
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Bis auf die späte Nachwelt tragen.

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Umsonst! daß man in Schrift und Buch
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Sich nach der Ewigkeit bestrebet.
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Wenn ein verhaßter Name lebet,
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So lebt er doch in stetem Fluch.
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Vergebens! daß in manchem Lande
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Man dem Tyrannen Tempel setzt.
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Was werden solche denn zuletzt?
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Ein dauernd Merkmahl seiner Schande.

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Ihr, denen wahrer Ruhm gefällt,
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O folget unsers Haubtes Tugend,
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Und widmet eüch von erster Jugend
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Dem Wol des Standes und der Welt!
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Da müßt ihr seyn, was Er gewesen;
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Der Wittwen Arm, der Waisen Schutz!
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Da sey kein Stolz, noch Eigennutz
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Aus eürer Tahten Zweck zu lesen!

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Dann wird aus ganzer Völker Mund
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Eüch ein gerechtes Lob ertöhnen.
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Die Muter macht es ihren Söhnen,
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Und ein Geschlecht dem andern kund.
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Was Tausend Schriften nicht gewähren,
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Das ist der Tugend Eigentum.
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Sie baut sich selbsten ihren Ruhm,
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Und zwingt die Welt, sie zu verehren.

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So wurd auch jener Wettstein groß,
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Der Schutz der Freyheit vieler Staten:
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Von dem ein Trieb nach gleichen Tahten
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In seines Enckels Adern floß.
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So ist zuletzt nach Sturm und Kriegen
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Die weltbelobte Heldenschaar,
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Die einst Helvetien gebahr,
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Zum Ehrentempel aufgestiegen.

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Wolan! Du hast das schöne Ziel,
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Hochseliger! nun auch erstrebet.
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O daß der Fall, der Dich erhebet,
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Uns nur nicht unerträglich fiel!
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Wie seltsam spielet das Geschicke!
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Dein Haus, der Stand, der Freünde Zahl,
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Die weinen nun das erste mal,
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Verklärter! über deinem Glücke.

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Umsonst! Du ruffst uns selbsten zu:
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Ihr Werten! die mein Abschied rühret,
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Ich habe meinen Lauff vollführet,
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Drum gönnt mir einst die späte Ruh!
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Seyd mit der Schickung Schluß zufrieden!
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Wer ihr zu folgen sich bestrebt,
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Der danket, daß ich lang gelebt;
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Und murret nicht, daß ich verschieden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Carl Friedrich Drollinger
(16881742)

* 26.12.1688 in Durlach, † 01.06.1742 in Basel

männlich, geb. Drollinger

Archivar, Lyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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