Lebt Haller denn noch stets im Kummer?

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Carl Friedrich Drollinger: Lebt Haller denn noch stets im Kummer? Titel entspricht 1. Vers(1737)

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Lebt Haller denn noch stets im Kummer?
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Will seiner Gattin Todtenschlummer
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Ihn auch in Gruft und Bahre ziehn?
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O Freünd, lern einst dein Leid ertragen!
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Ein Weyser soll nicht ewig klagen.
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Wirf deinen Unmuht endlich hin!

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Zwar sind Dir Tausend seltne Gaben
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Mit der Erblaßten jetzt begraben.
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Ihr Wert erscheint aus deiner Wahl.
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Dein Herze war nicht leicht zu binden.
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Die, die es einig konnt entzünden,
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Erweckt ihm sterbend Weh und Qual.

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Doch kennst Du ja das Haubtgesätze,
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Das stets der Erden gröste Schätze
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Mit der Vergänglichkeit gesellt.
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Ein Staübchen unterbricht das Leben;
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Dies kan sich jede Stund ergeben:
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Wie daß es uns denn fremde fällt?

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Wie mancher stirbt schon in der Wiege!
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Du kennst des Körpers Kunstgefüge;
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Sein schwacher Bau kan nicht bestehn.
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Du weist, daß, was man dran erblicke,
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Ein Ausbund gröster Meisterstücke,
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Doch so gebrechlich sey, als schön.

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Der Tod verschohnet nicht der Kronen.
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Er spielt in Hütten und auf Trohnen
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Ein immer gleiches Trauerspiel.
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Monarchen müssen selbst von hinnen.
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Das Beyspiel gröster Königinnen,
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Der Britten Carolina, fiel.

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O danke vielmehr deinem Glücke,
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Das Marianens holde Blicke
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Dir noch so lange Zeit gegönnt!
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Das Schicksal, reich an Lust und Schmerzen,
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Hat oft ein Paar der schönsten Herzen
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Zugleich verknüpfet und zertrennt.

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Wem solch ein Schatz, wie Dir, beschehret,
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Wie kurz auch das Besitzen währet,
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Dem gab der Himmel schon genug.
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Er ist uns doch zu nichts verbunden.
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Drum, kürzt er unsre Glückesstunden,
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Wolan! Er hat es Macht und Fug.

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Nun heißt er dich beständig hoffen.
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Sein härtster Streich hat Dich getroffen;
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Die gröste Furcht ist nun vorbey.
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Und hat er früh auf dich geschlagen,
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So denke, daß es, ihn zu tragen,
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Der Jugend Kraft am leichtsten sey!

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Und mußtest Du von deiner Schönen
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Dich nicht auch lebend schon entwöhnen?
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Die Stunden sind Dir noch bekannt,
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Da die Begihr, in Büsch- und Hecken
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Der Schöpfung Wunder zu entdecken,
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Dir öfters ihren Blick entwandt.

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Du reistest auf der Berge Wipfel,
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Da mancher Alpe steiler Gipfel
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Des Himmels nahen Einfluß fühlt,
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Und die Natur aus ihren Klüften,
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Gereizet von den reinsten Lüften,
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Mit Tausend seltnen Pflanzen spielt.

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Drum lern auch jetzt die Selge missen!
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Sie ist Dir doch nicht gar entrissen;
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Die Trennung wird nicht stets bestehn.
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Fiel ihres Körpers Bau zu Stücken,
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Die Seele konnt er nicht ersticken.
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Sie lebt und lebt erst recht und schön.

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Sie war der Vorwurf deiner Liebe.
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Du liebtest Sie mit reinem Triebe,
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Nicht deine Lust an Ihr, allein.
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So gönn Ihr nun auch ihre Freüden;
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Und bilde Dir beym frühen Scheiden
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Ihr frühes Heil auch kräftig ein!

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Gesellt sich nicht mit unsern Tagen
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Ein steter Anwachs neüer Plagen?
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Wie glücklich ist, wer zeitlich fällt!
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Wie manchem wird durch Pest und Seüchen,
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Der Haüser Brand, der Kinder Leichen,
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Die allzu lange Frist vergällt!

79
O möcht ein Sterblicher erlernen,
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Was in der Zukunft dunkeln Fernen
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Das Schicksal oft für Ruhten flicht!
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Er spräch: O selig, die entschlafen!
83
So mancher Tag, so manche Strafen:
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Ein greises Alter reizt mich nicht.

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Drum hemm einmal dein ängstlich Sehnen!
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Auch selbst der Ursprung deiner Trähnen
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Verlangt kein ungemeßnes Leid.
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Und Eürer Liebe zarte Zeügen,
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Ob Schule, Stand und Freünde schweigen,
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Erfordern deine Munterkeit.

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Laß deinen Geist mit neüen Trieben
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Sich auf dem grossen Schauplatz üben,
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Den uns die Allmacht vorgestellt!
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Schau, die Natur will Dich erquicken,
95
Und öffnet ihres Freündes Blicken,
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Was ihre Werckstatt in sich hält!

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Hier lockt sie Dich, die wilden Höhen
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Des stolzen Harzes zu besehen,
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Den sie mit Wundern angefüllt,
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Wo unter einem rauhen Kleide
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Sein silberreiches Eingewaide
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Von königlichen Schätzen schwillt.

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Es wird dein trauriges Empfinden
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Villeicht in einer Gegend schwinden,
105
Die so manch seltner Vorwurf ziert:
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Gebaüde von sich selbst entsprossen,
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Gewachsne Saülen, Schreckcolossen,
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Die keines Künstlers Stahl berührt.

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Schau, wie nun dort, dein Weh zu lindern
110
Ein Heer von holden Frühlingskindern
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Auf Wies- und Feldern lieblich lacht!
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Und sihst Du ihre Pracht verfliegen,
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So denke: Das ist Gottes Fügen;
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Drum schwand auch Marianens Pracht.

115
O möcht ich doch von deinen Töhnen
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Die feüerreiche Kraft entlehnen,
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Die uns durch Herz und Sinnen bricht!
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Von deiner Gattinn Wert zu singen.
119
Umsonst! Du must es selbst vollbringen;
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Mein schwaches Lied vermag es nicht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Carl Friedrich Drollinger
(16881742)

* 26.12.1688 in Durlach, † 01.06.1742 in Basel

männlich, geb. Drollinger

Archivar, Lyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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