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Der Sommer war dahin. Der Schmuck der bunten Wiesen
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Verwelkte mehr und mehr; Die rauhen Norden bliesen,
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Und machten unsrer Welt mit fürchterlichem Mund
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Des kalten Scorpions verhaßte Herrschaft kund.
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Kaum zeigte sich annoch von unsrer Gärten Ruhme
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Ein welker Amarant und eine Ringelblume,
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Die unter Frost und Sturm halb sterbend ausgedaurt,
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Und mit gesenktem Haubt der Schwestern Tod betraurt.
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Bis Flora, voller Gram bey ihrer Kinder Leichen,
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Uns endlich gar verließ, und zu den schönen Reichen,
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Zu jener Gegend floh, da Phöbus rege Kraft
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Ein immerwährend Grün und stete Blühte schafft.
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O schmerzlicher Verlust für Anthosanders Blicke!
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Sein Augenmerk zerfiel. Ihr Blumen kommt zurücke!
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Du unschuldsvolle Schaar, wie kurz ist deine Pracht!
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So rief Er; doch umsonst. Der Kälte strenge Macht
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Gab keiner Bitte Statt. Die Kraft des holden Lenzen
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War noch zu sehr entfernt von unsern öden Grenzen.
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Bis Anthosanders Fleiß; was die Natur versagt,
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Voll reger Ungeduld zu künsteln sich gewagt.
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Die Sehnsucht trieb ihn an, des Winters Grimm zu triegen.
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Sein Zimmer mußte sich zu einem Garten fügen;
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Da lockt Er allgemach das bunte Frühlingsheer
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Mit angenemem Zwang zur frühen Wiederkehr.
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Er hielt ein manches Glas bis oben angefüllet
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Mit jener Segensflut, die aus den Wolken quillet,
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Die die Natur gekocht, und aus der Lüfte Schooß,
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An Wuchs und Kräften reich, auf unsern Boden goß.
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Auf deren jedem ließ sich eine Zwiebel sehen.
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So wie ein blanker Knopf sich von den steilen Höhen
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Erhabner Türme zeigt, so streckt der ganze Hauff
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Von dem erhöhten Sitz die runden Haüpter auf.
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Doch schied vor allen sich von der gemeinen Mänge
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Ein Hyacintenkiel mit zierlichem Gepränge.
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Des Frühlings schönstes Kind hielt seine Kluft versteckt,
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Bis Florens eigne Hand es nach und nach entdeckt.
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Drey Tage stund er kaum auf dem crystallnen Trohne,
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Als schon der Wurzeln Heer gleich einer runden Krone
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Aus seinem Kerker brach, von dem erregten Duft
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Gereizet und gelockt. Des Zimmers warme Luft
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Befördert ihren Trieb sich weiters auszudehnen.
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Wie eine holde Reih von Perlenweissen Zähnen,
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Wenn sie der erste Druck aus ihren Höhlen stößt,
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Bey einem zarten Kind sich allgemach entblößt:
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Nicht anderst drangen sich der Zasern erste Spitzen
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Durch den geschwellten Kiel aus Hundert kleinen Ritzen;
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Und füllten nach und nach, gleich einem dichten Strauß
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Verwirrt, doch angenem, den Raum des Glases aus.
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Bald zeigte sich ihr Tuhn. Es schwand des Wassers Mänge;
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Die Wurzeln zogen es durch ihre kleinen Gänge,
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Gehöhlten Teicheln gleich, und sogen seine Kraft,
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Sein fünfftes Wesen, aus zu ihrem Nahrungssaft.
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Das Wachstum folgte drauf. Der Kiel war nunmehr offen,
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Aus dessen Spitze bald, nach Anthosanders Hoffen,
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Ein gelblich-grüner Berg geschloßner Blätter stieß,
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Und uns ein Vorgebirg der frohen Hoffnung wies.
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Doch fehlt die Blume noch. Du Muter aller Dinge,
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Vergönne, daß ich jetzt in dein Geheimniß dringe,
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Daß ich ein Zeüge hier von deinen Wundern sey;
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Und laß mir einen Blick in deine Werkstatt frey!
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Zwelf Wälle stunden da, Zwelf runde Festungswerker
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Gewölbten Mauern gleich, ein angenemer Kerker,
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Mit Nahrungssaft gefüllt, in dessen engem Zwang
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Der Blätter dichter Busch sich in einander drang.
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Ihr Innerstes beschloß der Schönheit Meisterstücke.
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Zwelf Knöpfgen hatten sich mit künstlichem Geschicke
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In einen Knopf gedrängt, der fern von Licht und Tag,
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Wie eine Fichtenfrucht, in seiner Muter lag.
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Mein Eichrodt, dessen Witz den Ursprung selbst ergründet,
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Und einer Gottheit Spur in jedem Kraütgen findet;
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Der nebst des Fürsten Heil auch seiner Gärten Pracht
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Mit nimmer-müdem Fleiß besorget und bewacht,
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Belehre deinen Freünd, der von Begihrde brennet,
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Wie man den dunkeln Weg verborgner Weysheit kennet,
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Woher das erste Seyn so vieler Wunder fleüßt,
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Und was für Ordnung sich in ihrer Zeügung weist!
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Ists ein besondrer Geist, der alle diese Schätze
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Nach unsers Schöpfers Schluß, dem ewigen Gesätze,
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In jeder Pflanze wirkt, und die, die ihm vertraut,
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In vorgeschriebner Art zu seiner Wohnung baut?
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Wie? oder sind es wol verborgne kleine Gänge
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Unzählbarer Figur, unendlich-grosser Mänge,
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Worinn der waiche Saft, allmählich eingedrängt,
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Nach seiner Formen Art die Bildungen empfängt?
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Villeicht auch lehrst du mich, daß Tausend Millionen,
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Daß Pflänzgen sonder Zahl in einem Sämgen wohnen,
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Da stets ein Inneres im Aüseren versteckt
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Sich bis zur Ewigkeit entwickelt und entdeckt.
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Vergebens, werter Freünd! Ich kenne meine Schwäche?
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Mein Blick erforschet kaum der Körper aüsre Fläche.
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Der Ursprung ihrer Pracht, der Bildung dunkles Spiel,
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Ist meinem blöden Licht ein Abgrund ohne Ziel.
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Die Allmacht hat sie selbst mit einer Nacht umringet,
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In deren Tiefe nicht der Allerklügste dringet.
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Mich schreckt die Finsterniß, und weiset meinen Blick
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Ermüdet und beschämt zum Aüseren zurück.
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Der Wuchs vermehrte sich mit immer-regen Sprossen:
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Sechs Blätter, die bisher ein fester Zwang geschlossen,
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Zerteilten ihren Busch um den verwahrten Schatz,
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Und machten allgemach dem regen Stengel Platz.
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Er kam, als wie ein Turm aus seinen tiefen Gründen;
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Sein Kommen fiel ihm schwär. Nach langem Unterwinden
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Durchdrang sein rundes Haubt des Kieles enge Kluft,
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Und drückte mühsamlich sich in die freye Luft.
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Bald sah man seine Pracht in neüem Schimmer blühen;
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So wie vor Sonn und Licht die bleichen Schatten fliehen,
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So wich die grüne Nacht, die auf den Knöpfen lag,
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Der Farben erstem Spiel, dem Einbruch von dem Tag.
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Dann folgt der volle Glanz in ungesaümter Eile.
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Der kleine Stengel stieg, wie eine kleine Saüle
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Von Jaspis ausgedreht, mit schneller Macht empor;
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Um sein erhabnes Haubt erschien der volle Flor;
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Die Kelche schlossen sich in Sechs geteilte Zinken,
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Wie Sterne, welche dort am Firmamente blinken,
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Mit doppeln Strahlen auf. Ihr holder Schimmer schien,
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Wie ein vereinter Glanz von Perlen und Rubin.
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Doch nein! Mein Pinsel treügt. Er kränket ihre Würde.
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Kein Edelstein erreicht der holden Blumen Zierde.
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Sie schmeicheln meinem Blik, mit sanft-gebrochner Glut,
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Mehr, als der ganze Schmuck von einer Krone tuht.
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Was soll der strenge Blitz, der aus den Steinen blicket?
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Ein Demant blendet nur: der Blumen Glanz erquicket;
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Mein Auge wird geschwächt, wenn jener Feüer streüt;
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Und diese stärken es mit sachter Lieblichkeit.
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Zu dem, was ist ein Stein, der uns so mächtig rühret,
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Eh ihn der eitle Mensch mit langer Müh gezieret?
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Ein Klumpe sonder Form, bedeckt mit Erd und Sand,
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Und borget seinen Stolz nur von des Künstlers Hand.
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Hier aber können wir in so viel Wunderwerken
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Auf einem jeden Blatt des Schöpfers Finger merken.
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Hier ist ein lebend Werk, und kein entseelter Stein;
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Der Blumen Athem bläst uns selbst ein Leben ein.
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Der Balsam, welchen sie aus ihren Höhlen düften,
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Ist selbst die fünfte Kraft aus reinen Himmelslüften:
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Die füllet unsre Brust mit einer Regung an,
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Die keine Demantkluft, kein Zeilon geben kan.
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Weicht, schnöde Steine weicht! Wo seyd ihr schönen Stunden,
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Da noch ein Blumenstrauß, von werter Hand gebunden,
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Ein Pfand der Liebe war? Die Neigung schätzte nur
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An Herzen und Geschenk die Einfalt der Natur.
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Nun hat ein schnödes Gift die Menschlichkeit verletzet,
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Daß man sich Gold und Stein zu seinem Abgott setzet,
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Und die erlaubte Lust, die Feld und Garten krönt,
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Mit Unempfindlichkeit versaümet und verhöhnt.
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Mein Freünd! Du opferst nicht in diesem Götzentempel,
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Es gibt uns unser Fürst ein reizendes Exempel
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Von einer edlen Lust, der, wie man wundernd schaut,
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In seinem Carolsruh ein Eden sich erbaut;
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Und da, wenn ihn die Last des schwären Zepters drücket,
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An dem beblümten Schmuck sich labet und erquicket.
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Er mißt der Dinge Wert mit klugem Unterschied.
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Ich schweige. Carols Ruhm verdient ein höher Lied.