Der schwüle Sommer ist verschwunden

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Carl Friedrich Drollinger: Der schwüle Sommer ist verschwunden Titel entspricht 1. Vers(1715)

1
Der schwüle Sommer ist verschwunden.
2
Die Sonne laüfft der kühlen Wage zu.
3
Die Erde neiget sich zur Ruh
4
Nach ihren arbeitsvollen Stunden.
5
Ihr bunter Schmuck wird blöd und alt,
6
Und, was sich nächst im Flor befunden;
7
Verändert Farben und Gestalt.
8
Der Himmel trübet sich. Es haucht ein frischer Duft
9
Gleich einer kühlen Abendluft,
10
Und will des Jahres Abend kühlen.
11
Der Baume Zierat weicht; die leichten Winde spielen
12
Mit dem entlaubten Schmuck. O welch ein Unbestand!

13
Doch nein! ich kenne deine Hand,
14
Du grosser Schöpfer und Erhalter!
15
Des Laubes Schirm, die schattenvolle Wand,
16
Die ihrer Früchte zartes Alter
17
Vor Hitz und Sturm in Sicherheit beschloß,
18
Hat nun die treüe Hut vollendet,
19
Da der verwahrte Schatz gezeitigt und geendet;
20
Drum fällt sie weg, und stellt ihn frey und bloß.
21
O reicher Schatz, den wir bewundern müssen!
22
Schau, wie die süsse Last die schwanken Aeste beügt!
23
Es scheint, als wollen sie die werte Muter küssen,
24
Die Muter, welche sie gezeügt.
25
Der Blätter Schmuck, der allgemach verfleügt
26
Erscheinet nun noch eins so prächtig.
27
Die schlanke Rede steht an Frucht und Zierat trächtig.
28
Schau, wie sie ihre grüne Pracht
29
Mit Gold und Purpur ausgesticket;
30
Wie sich ihr sterbend Laub zu guter Letzte schmücket,
31
Und seinen Abschied herrlich macht.

32
Wie aber? welch betrübtes Bild
33
Erblick ich voller Scham und Schanden!
34
Ich Armer ach! Mein Herbst ist auch vorhanden;
35
Mein Sommer ist bereits erfüllt.
36
Wie darf ich, Höchster! vor dir stehn,
37
Und mein beschämtes Haupt zu deinen Wolken strecken?
38
Ich bin ein kahler Baum, gleich einer dürren Hecken,
39
Von keinen Früchten reich, von keiner Zierat schön.
40
O wehe mir! die Art der Rache blicket schon,
41
Und draüt mir schnödem Holtz mit dem verdienten Lohn!
42
Erbarme dich! Erwecke meine Kraft,
43
Du Wesen voller Huld und Liebe;
44
Und fülle mich mit neüem Saft,
45
Mit einem gnadenvollen Triebe,
46
Eh mich dein Grimm zur Straf und Flamme rafft!
47
Herr, laß mich noch in dieser Zeit,
48
Obgleich mit später Frucht, zu deinem Ruhme dienen!
49
So werd ich dort in Ewigkeit
50
Bey dir im Paradise grünen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Carl Friedrich Drollinger
(16881742)

* 26.12.1688 in Durlach, † 01.06.1742 in Basel

männlich, geb. Drollinger

Archivar, Lyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.