Regentinn meiner Leibeshütte!

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Carl Friedrich Drollinger: Regentinn meiner Leibeshütte! Titel entspricht 1. Vers(1715)

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Regentinn meiner Leibeshütte!
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Ich eile nun zur langen Ruh.
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Dem Körper naht mit schnellem Schritte
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Die Herrschaft der Verwesung zu.
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Kaum stößt annoch des Hertzens Höhle
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Das halb-verrauchte Lebensöle
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Mit müden Schlägen langsam aus.
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Die Muskeln sind entspannt und schwinden;
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Der Sinnen schwächliches Empfinden
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Verkündigt schon der Faülniß Graus.

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Wolan! der Körper mag verstaüben.
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Sein blöder Zeüg kan nicht bestehn.
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Doch du, O Seele! wirst du bleiben?
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Wie? oder must du mit vergehn?
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Ist denn dein Stoff auch ein Gedränge,
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Von Teilen ungezählter Mänge,
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Als wie ein Körper, zugericht?
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Ein Bau von so viel Tausend Stücken,
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Auf welche Zeit und Zufall drücken,
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Bis ihre Fügung wieder bricht?

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Doch nein! du öffnest deine Schätze,
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Und legst uns überzeügend dar,
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Daß keines Körpers Grundgesätze
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Und keine Mischung dich gebahr.
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Was ist ein Leib, des Geistes Hülle?
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Sein Klumpe liget todt und stille,
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So bald ihm ein Beweger fehlt.
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Nicht so der Geist, der lebt und denket,
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Mit schneller Macht die Sinnen lenket,
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Erwigt, beschleüßt, verwirft und wählt.

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So lerne denn, daß Tod und Sterben
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Allein in grobe Körper dringt,
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Und der Verstörung Grundverderben
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Ein geistlich Wesen nie bezwingt.
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Der Mischung Bau wird leicht zerstücket.
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Dich aber hat ein Seyn beglücket,
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Das weder Stück noch Teile kennt.
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Vergeblich sucht der Raub der Zeiten
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Dein einfach Wesen zu bestreiten.
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Nichts, als Gefügtes, wird getrennt.

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Ists gläublich, daß dich Gott zernichte?
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Er schuff dich vil zu groß und schön.
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Schau, welch ein Glantz! schau, welche Früchte
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Aus edler Seelen Trieb entstehn!
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Mich deücht, in jeder Seele funkelt,
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Wenn sie kein grober Dunst verdunkelt,
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Ein Schimmer von der Gottheit Licht.
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So zeügt er auch von ihrem Währen.
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Wer kan ein solches Seyn zerstören?
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Was göttlich ist, verdirbet nicht.

51
Schau, wie bey Sturm und Kriegsgefahren
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Ein Mann oft einen Hauffen schreckt,
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Und vor dem Raub der wilden Scharen
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Den unbewehrten Säügling deckt:
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Wie dort ein Held, von Gott beseelet,
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Die Wollust fleücht, die Sorgen wählet,
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Für andrer Glücke sich verbannt!
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Er wacht, damit wir sicher schlafen;
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Erhält sein Volck durch Witz und Waffen;
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Und stirbt mit Lust für Kirch und Land.

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Und ihr, der Weysheit ersten Söhne,
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Geweihte Dichter! heilger Chor!
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O welche Kraft, o welche Töhne
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Durchdringen plötzlich Hertz und Ohr.
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Es wirket eüer mächtger Wille
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Der tiefsten Sinnen Sturm und Stille.
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Er stellt den Regungen Gebot.
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Ich hör, ich höre Davids Lieder.
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Der Himmel steigt zu uns hernider,
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Und unser Geist hinauf zu Gott.

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Wer zählt das Heer der lichten Sterne?
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Wer mißt der Sonne schnellen Lauff?
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Wer dringt in ungemeßne Ferne,
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Und deckt des Himmels Ordnung auf?
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Ists nicht des Geistes Wunderstärcke?
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Hier setzt er schrecknißvolle Wercke,
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Gebäude, die den Wolken drohn.
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Bald stürtzt er wieder Türm und Mauern,
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Die Last, die ewig schien zu dauern.
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Sein donnernd Erzt zermalmt sie schon.

81
Doch hör ich nicht ein Lied erklingen,
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Das unsern Geist zu prächtig schmückt,
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Und eines Wesens Kraft besingen,
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Aus dem so mancher Mangel blickt?
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Wo bleiben seiner Stärke Proben,
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Wenn der Begihrden wildes Toben
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Dem schwachen Herrscher selbst gebeüt?
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Ist dieses der gepriesne Schimmer,
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Den Wahn und Zweifel je und immer
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Mit dickem Nebel überstreüt?

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Wolan! es mängt in unsre Schätze
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Sich auch der Schwachheit Zusatz ein.
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Doch dies bestärket selbst die Sätze
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Von unsrer Seelen stetem Seyn.
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Wo bliebe sonst des Schöpfers Liebe,
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Die, daß sie unsern Geist nur übe,
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Ihn so zu stetem Forschen treibt,
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Wofern wir, ehe wir erbleichen,
99
Den Zweck aus Schwachheit nicht erreichen,
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Und nach dem Tode nichts mehr bleibt?

101
Es bringt doch unsrer Gaben Mänge
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Uns oft im Leben nur Verdruß.
103
Wie mancher kürzt nicht seine Länge
104
Durch vieles Wissens Uberfluß?
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Gebricht mirs hier an Ruh und Glücke,
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Obgleich kein Fernglas meine Blicke
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Des Mondes Flecken je gelehrt:
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Ob Huygens Fleiß in jenen Fernen
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Mit keinen neüen Folgesternen
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Die Herrschaft der Planeten mehrt?

111
So merket denn, daß dieses Leben
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Auf eine lange Zukunft zielt.
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Hier ist uns nur ein Raum gegeben,
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Drauf unsers Geistes Kindheit spielt.
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Dann öffnet sich nach kurzen Zeiten
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Der Schauplatz grosser Ewigkeiten;
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Da geht sein Lauff unendlich fort,
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So hat die Allmacht es beschlossen.
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Hier treibt der Geist die ersten Sprossen.
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Was hier gekeimt, das reiffet dort.

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Drum zeigt er jetzt schon ein Gefühle
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Von Trieben, die nichts Endlichs stillt.
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Er setzt sich immer neüe Ziele;
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Und sucht umsonst, was ihn erfüllt.
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Er wünscht, geneüßt, und wünscht aufs neüe,
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Durchirrt der Güter lange Reihe,
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Und kan bey keinem stille ruhn.
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Gab Gott, der nichts vergeblich füget,
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Uns einen Trieb, den nichts vergnüget?
130
Die Ewigkeit denn muß es tuhn.

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O was entdeckt sich meinem Blicke;
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Was wird mir für ein Schauspiel kund?
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Welch unerforschliches Geschicke
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Beherrscht der Erden weites Rund?
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Hier seh ich unter Ach und Flehen
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Den heiligen in Qual vergehen,
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Den Dampf und Flamme langsam schmaucht;
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Wenn, satt von Jahren, Lust und Fülle,
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Sein Würger dort in sanfter Stille
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Den lastervollen Geist verhaucht.

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Wie? teilt uns denn mit blinder Wage
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Ein Schicksal zu, was uns befällt?
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Regirt ein Zufall unsre Tage,
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Und mischt verwirrt den Lauff der Welt?
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Doch nein! des Zweifels Nebel brechen.
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Kein ungerechtes Urteil-sprechen
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Entehrt der Allmacht Richterstrohn.
148
Du sterblichs Volck! die Wahrheit lehret.
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Dein Wesen wird nicht ganz zerstöret;
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Es bleibt noch was zu Straf und Lohn.

151
Es ist, es ist noch ein Gerichte;
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Die Zukunft führet Lohn und Schwert;
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Und reicht mit billigem Gewichte
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Den Tahten den verdienten Wert.
155
Mein Vorwitz soll sich nicht vergehen,
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Den tiefen Abgrund einzusehen,
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Der hier der Allmacht Raht verhüllt.
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Doch diesen Satz kan nichts zertreiben:
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Gott ist gerecht. Die Seelen bleiben.
160
Was hier gebricht, wird dort erfüllt.

161
Der Wahrheit Macht ist durchgedrungen;
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Es hört Ost, Süden, West und Nord
163
Durch ungezählter Völker Zungen
164
Ihr kräftig-überzeügend Wort.
165
Gesetzt, ein Hauff sey noch bedöhret!
166
Was uns ein Plato göttlich lehret,
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Braucht keines Hurons Beyfall nicht.
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Soll dies der Lehre Kraft vermindern,
169
Wenn dort, vermängt mit seinen Rindern,
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Ein viehisch Volk ihr widerspricht?

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Getrost! Es macht sich ihre Stärke
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Durch gröster Geister Zeügniß kund,
173
Der Helden göttlich-schöne Werke
174
Entspringen nur aus ihrem Grund.
175
Sie hören ein geheimes Sprechen:
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Ihr Seelen! eüre Körper brechen,
177
Doch eüch zernichtet keine Zeit.
178
O folget einem edlen Ziele!
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Verübter Tugend Lustgefühle
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Begleitet eüch in Ewigkeit.

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O Geist, der Geister erste Quelle!
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O Wesen unumschränkter Macht!
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Schick einen Strahl von deiner Helle
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In finstrer Geister trübe Nacht!
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Erleücht ein Volk, von dir gebauet,
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Dem noch vor seiner Grösse grauet,
187
Das der Zernichtung Scheüsal ehrt;
188
Und gib, daß, frey von seiner Bürde,
189
Mein froher Geist in neüer Würde
190
Zu deiner Gottheit wiederkehrt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Carl Friedrich Drollinger
(16881742)

* 26.12.1688 in Durlach, † 01.06.1742 in Basel

männlich, geb. Drollinger

Archivar, Lyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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