74. Der späte Frühling

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Friedrich Leopold Graf zu Stolberg: 74. Der späte Frühling (1782)

1
Das Frühjahr ist kommen, der Frühling noch nicht:
2
Noch macht die Natur uns ein saures Gesicht,
3
Noch dräuen die Wolken uns Schloßen und Schnee,
4
Noch spiegelt sich dürstend im Eise das Reh.

5
Der Frost hat das niedrige Veilchen erstickt,
6
Und die Knospe der hohen Kastanie geknickt:
7
Es starb in der Knospe die Blüte vom Wind,
8
So stirbt in der sterbenden Mutter ihr Kind.

9
Die Pflänzchen im Garten sind gelb und erstarrt;
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Es seufzet der Stier, denn der Boden ist hart;
11
Die Schwalbe verbirgt sich; die Glucke verläßt
12
Die sterbenden Küchlein, erstarret im Nest.

13
Doch hat sich der Storch auf dem Kirchturm gezeigt;
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Auch sah ich die Nachtigall, aber sie schweigt.
15
O Nachtigall, Nachtigall, nimm dich in acht:
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Die Stauden sind nacket, und kalt ist die Nacht!

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Langbeinigter Küster, du klapperst zu früh
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Im sausigen Kirchturm; kein Frühling ist hie!
19
O sei mir in Zukunft kein Lügenprophet,
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Wenn mein Weibchen zuerst auf dem Turm dich erspäht!

21
Dann tön' in den Erlen das Bächlein entlang
22
Dem brütenden Weibchen der Nachtigall Sang!
23
Es lausche mein brütendes Weibchen zugleich!
24
Du aber, o Kuckuck, ich warne dich, schweig!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg
(17501819)

* 07.11.1750 in Bad Bramstedt, † 05.12.1819 in Gut Sondermühlen

männlich, geb. Stolberg

deutscher Politiker und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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