Die Spinne und das Podagra

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariä: Die Spinne und das Podagra (1751)

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Das Podagra und eine Spinne,
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Geführt von ihrem Eigensinne,
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Entschlossen sich, die Welt zu sehn
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Und Abenteuern nachzugehn.
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Sie trafen unterwegs sich an,
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Und grüßten sich, da sie sich sahn,
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So leicht, so artig und galant,
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Als hätten sie sich längst gekannt.
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Ich dächte (sprach das Podagra),
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Wir setzten nach dem Dorfe da
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Zusammen unsre Reise fort.
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Es scheint ein wohlgelegner Ort,
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Und sind Madam so müd' als ich,
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So wird uns Beiden, sicherlich,
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Jedwede Herberg, groß und klein,
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Auf diese Nacht willkommen seyn.
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Der Spinne war das eben recht.
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Sie kamen an das Dorf. Geschwächt,
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Hinfällig, kraftlos und halb lahm
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Erlag das Podagra und nahm,
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So bald als möglich, voll Begier,
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Beim ersten Bauer das Quartier.
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Die Spinne hielt sich für gescheuter
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Und nahm den Weg noch etwas weiter,
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Bis zu des Edelmannes Haus;
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Hier wählt' sie einen Saal sich aus,
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In welchem man mit großem Prachte
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Zu einem Gastmahl Anstalt machte.
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Sogleich nahm sie nach ihrem Witz
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Von einem Fensterrahm Besitz;
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Hub an, mit emsigem Bestreben,
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Viel ihrer Fäden anzukleben.
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Doch eh' ihr Netz noch fertig war,
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Nimmt eine Stubenmagd es wahr,
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Die mit dem Besen d'rüber fährt
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Und unbarmherzig es zerstört.
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Die Spinne hub von Neuem an
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Zu weben, wie sie erst gethan;
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Da ward der Saal voll Herr'n und Damen,
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Mit denen viel Lakaien kamen.
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Ein naseweiser Bursche sah
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Der Spinne Netz, und rief: Sieh' da,
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Was machst du hier? und stieß sogleich
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Den Hut quer durch ihr Fadenreich.
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Die Spinne ließ sich's nicht verdrießen,
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Und heftete mit muntern Füßen
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Ihr hangend halbzerstörtes Nest
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Zum dritten Mal am Fenster fest.
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Da trat ein junges Fräulein her,
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Das sah am Fenster ungefähr
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Die Spinne hangen, und schrie laut:
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Ach, Herr Baron, mir graut, mir graut!
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Und wies mit Schrecken auf die Spinne.
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Kaum ward der Herr Baron sie inne,
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So zog er wie ein Held den Degen,
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Fing an im Netz herumzufegen,
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So daß mit Noth die Spinn' entkam
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Und aus dem Saal den Abschied nahm.

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Dem Podagra ging's fast auch so,
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Es ward der Herberg wenig froh.
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Nachdem es lange g'nug gesessen,
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Sprach es: Ich möcht' ein wenig essen!
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Der Bauer brachte trocken Brod,
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Zum Trunk dazu kalt Wasser bot;
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Dies waren nach so langen Reisen
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Für's Podagra sehr schlechte Speisen.
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Es aß nicht viel, trank kaum dazu,
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Und sprach betrübt: Bringt mich zur Ruh'!
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Da wies der Bauer ihm zum Bette
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Gar eine harte Lagerstätte,
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Worauf ein wenig Stroh nur lag.
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Hier lag es kläglich, bis der Tag
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Im Osten an zu grauen fing,
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Und seufzend es von dannen ging.

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Es traf die Spinne wieder an,
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Die auch kein Auge zugethan;
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Und alle Beide klagten sich,
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Wie elend und wie jämmerlich
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Sie beiderseits die vor'ge Nacht
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In Furcht und Sorgen zugebracht;
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Ich seh' wohl, wo der Knoten sitzt,
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(sprach d'rauf das Podagra). Dir nützt
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Zum Aufenthalte kein Palast;
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So wie ich niemals Ruh' und Rast
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Bei schlechten Bauern finden kann.
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D'rum geh' du zu dem armen Mann,
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Und ich will deinen Junker sehn,
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So soll das Ding wohl besser gehn.

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Dies waren Beide wohl zufrieden,
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Und Beide gingen nun verschieden
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Den Weg, so wie der Abend kam.
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Das Podagra, voll Hoffnung, nahm
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Zum Schloß des Junkers seinen Gang.
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Und mit welch freudigem Empfang
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Ward es von ihm nicht aufgenommen!
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Kaum sah er es gehinket kommen,
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So nahm er's höflich bei der Hand,
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Führt's in sein Zimmer; d'rinnen stand
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Ein Sopha mit viel weichen Kissen,
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Davon legt' er ihm drei zu Füßen,
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Und sprach: Ihr Gnaden fordern dreist,
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Was Ihrem Gaum willkommen heißt.
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D'rauf rief er seine Diener her;
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Da ward der Tisch nicht einmal leer
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Von Thee, und Kaffee, und Orsade,
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Von Chokolad' und Limonade,
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Alsdann ward von der Schüsseln Menge
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Die große Tafel fast zu enge;
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Da kam französisches Ragout,
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Weit umher dampfend nach
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Schön Rostbeef, nach der Briten Art,
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Und Austern mit und ohne Bart;
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Dann kamen Austern am Kapaun,
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Dann Austern, schön gebraten, braun;
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Dann wieder Austern in Pasteten,
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Dann Fisch mit Austern, bis zum Tödten;
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Und schöne Braten, vom Fasan,
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Bis auf den feisten Ortolan.
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Kurz, Alles, was die Schmausewelt
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Für ächte Leckerbissen hält,
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War so im Ueberflusse da,
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Als wär' es in Hammonia.
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Die Weine? ja, wer kann die zählen?
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Gewiß! hier durfte keiner fehlen,
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Und das Probiren riß nicht ab,
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Vom Franzwein bis zum Vin de Cap,
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So daß das Podagra sogar
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Satt bis zum höchsten Ekel war.

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Die Spinne trat zum armen Mann
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Indeß auch ihre Wallfahrt an.
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Sie fand bei ihm ein freies Leben,
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Fing an zu haspeln und zu weben
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Nach Herzenslust mit Füßen, Händen
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An Thüren, Fenstern, Balken, Wänden,
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Und machte sich manch schönes Netz
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Nach ihres Eigensinns Gesetz;
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Rund mit viel Strahlen krumm und schief,
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Gleich, ungleich, seltsam, flach und tief.
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So herrschte sie im ganzen Haus,
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Und Niemand stört' und trieb sie aus.

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Als d'rauf die beiden Wanderer
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Nach kurzer Zeit von ungefähr
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Sich wieder sahn, da rühmten beide,
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Mit welcher wahren Lust und Freude
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Ihr Leben nun versüßet sey.
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Jedwedes blieb der Herberg treu;
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Vergnügen war auf beiden Seiten.
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Und so wohnt noch zu unsern Zeiten
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Die Spinne bei den Armen gern,
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Das Podagra bei großen Herr'n.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariä
(17261777)

* 01.05.1726 in Frankenhausen, † 30.01.1777 in Braunschweig

männlich, geb. Zachariae

deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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