Ein Fuchs, der lange schon geschmachtet

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariä: Ein Fuchs, der lange schon geschmachtet Titel entspricht 1. Vers(1751)

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Ein Fuchs, der lange schon geschmachtet,
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Umsonst nach manchem Huhn getrachtet,
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Erfuhr, daß eines Affen Frau
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Im Kindbette sey. Ha! (dacht' er schlau)
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Vielleicht trag' ich vom Wochenschmaus
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Auch wohl ein fettes Maul nach Haus,
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Man muß sich in die Zeiten schicken,
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Gefällig seyn und viel sich bücken:
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Sonst bleibet Börs' und Magen schlapp.
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So dacht' er bei sich und begab
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Sich auf den Weg zum Aufenthalt
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Der Affen in den nächsten Wald.
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Er fand die Wöchnerin im Lager
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Aus weichem Heu; von Mann und Schwager
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Und Muhm' und Schwiegerin umringt,
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Von denen jeder etwas bringt,
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So daß Herr Reineke, gar klug,
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Bemerkte, hier sey Schmaus genug.
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Er machte sich deshalb gar zierlich
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Zur Affin, bückte sich manierlich
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Bis auf die Schuh, und sprach: Madam,
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Daß ich den Weg zu Ihnen nahm,
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Ist aus der Ursach' blos geschehn,
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Die schönen Kinderchen zu sehn,
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Womit sie vor gar kurzer Zeit
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Den werthen Herrn Gemahl erfreut.
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O, zeigen Sie doch Ihrem Knecht,
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Von Ihrem adlichen Geschlecht
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Die beiden liebenswürd'gen Zweige,
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Daß ich mich auch vor ihnen beuge!
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Ihr Gnaden glauben sicherlich,
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Ein rechter Kindernarr bin ich!
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Als dieses die Frau Affin hört,
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Gar freundlich sie sich zu ihm kehrt,
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Reicht ihm die Hand, und spricht zum Mann:
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Sieh' doch den art'gen Fremdling an!
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Er kömmt hieher mit müden Füßen,
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Blos, unsre Kinderchen zu küssen.
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Hier, Freund, (sprach sie zum Fuchs) im Heu
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Ruhn sie im Schlummer alle zwei.
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Sie sagt' es, und zog mit der Hand
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Ein pelzgefüttertes Gewand
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Hinweg von ihrem Zwillingspaar,
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Und sprach zum Fuchs: Mein Herr, nicht wahr,
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Wenn Ihr's aufrichtig wollt gestehn,
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Was Schöner's habt Ihr nie gesehn?
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Der Fuchs erschrak. In langer Zeit
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Hatt' er nicht so viel Häßlichkeit
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An irgend einem Thier erblickt;
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Doch rief er listig, wie entzückt:
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O, froher Tag! So seh' ich denn
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Die beiden kleinen Engelchen
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In jedem Liebreiz vor mir liegen?
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O, welche Freude, welch' Vergnügen
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Muß dies den hohen Eltern seyn!
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Fürwahr, trifft mein Vermuthen ein,
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So werden sie, das ahnet mir,
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Die Lust der Welt, der Affen Zier.

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Als dieses die Frau Affin hört,
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Ward sie von Freude ganz bethört,
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Wie ihr Herr Eh'mann ebenfalls.
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Er warf dem Fuchs sich um den Hals
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Bat ihn auf's Freundlichste zu Tische,
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Trug auf Pasteten, Braten, Fische,
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Viel Obst, und Nüsse groß und klein,
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Und trank ihm zu vom besten Wein;
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So daß der Fuchs, sehr wohl gespeist
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Und halb berauscht, von dannen reist.

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Ein Wolf traf auf dem Weg ihn an
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Und sprach zu ihm: Mein lieber Mann,
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Ich seh' an deinem vollen Bauch,
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Du hast geschmaust. Könnt' ich nicht auch
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Zu einem solchen Fest gelangen,
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Bei dem es dir so wohl gegangen?
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I, Freund! (versetzt der Fuchs) gar leicht
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Wird dieser Wunsch von dir erreicht.
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Des Affen Frau liegt in den Wochen,
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Der hab' ich eben zugesprochen,
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Sie hat zwei allerliebste Kinder,
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Sie zeigt sie gern; wo du nicht minder,
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Als ich, sie lobst, so gibt sie dir
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Mit Dank zu schmausen g'nug dafür.

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So? (sprach der Wolf) brauch' ich nur dies,
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Dann hab' ich meinen Fraß gewiß!
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Er eilte zu den Affen hin,
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Und traf sie an bei frohem Sinn;
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Ward freundlich von dem Mann empfangen,
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Nach seinem höflichen Verlangen
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Zur Frau geführt, die, sehr geneigt,
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Ihm alsobald die Kleinen zeigt.
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Herr Eisengrimm mit starrem Blick
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Fuhr ganz erstaunensvoll zurück.
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Was Kuckuk! (schrie und lacht' er laut)
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Hier schaudert einem fast die Haut!
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Dies sind ja wahre Ungeheuer!
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Und die Scheusäligen sind euer?
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Ei! schrien die Affen allesammt,
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Die Mutter mit, von Wuth entflammt,
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Ei! seht mir doch den Grobian
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Mit seinen Schmeicheleien an!
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Was braucht er denn hieher zu gehn,
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Und unsre Kinderchen zu schmähn?
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D'rauf griff ein jeder nach dem Knittel,
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Durchklopften weidlich ihm den Kittel,
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Daß er, an allen Vieren lahm,
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Zum Fuchse hungrig wieder kam.
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Sobald Herr Reineke vernommen,
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Wie schlecht der Wolf davon gekommen,
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Sprach er: Ihr gebt mir wohl nicht Recht!
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Allein Ihr kennt die Welt noch schlecht.
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Gern hält das Ohr dem Schmeichler still;
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Die Wahrheit Niemand hören will.

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Dies hab' ich, Leser, auch gedacht,
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D'rum kommt sie hier in Fabeltracht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariä
(17261777)

* 01.05.1726 in Frankenhausen, † 30.01.1777 in Braunschweig

männlich, geb. Zachariae

deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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