3] Als

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariä: 3] Als Titel entspricht 1. Vers(1751)

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3] Als
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Und in Germanien, durch seinen Tod gebeuget,
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Des Mitleids Thräne floß, die Thräne, die uns ehrt,
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Wenn sie die Asche netzt, der sie mit Recht gehört;
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Kam die Melancholey auf schwarzen Rabenschwingen,
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Und gab mir den Befehl, des Dichters Tod zu singen.
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[4] Ich nahm die Leyer hin; die feyerliche Nacht,
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Die schweigend um mich hieng; hob mich mit stiller Macht.
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Doch plötzlich lispelte die Mus' in meine Lieder:
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Verwegner! lege nur die schwache Leyer nieder;
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Ein Lob auf
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Wer ihn besingen will, sey erst so groß, wie Er.

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Die Leyer sang nicht mehr. Allein mit starkem Flügel
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Trug mich die Phantasie zum frischen Todtenhügel,
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Den über seiner Gruft die Freundschaft aufgehäuft.
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Ein Schauder, wie er uns in Grotten oft ergreift,
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Wo stolze Könige, die Furcht und Lust der Erden,
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Gleich uns im Staube ruhn, gleich uns vergessen werden;
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Ein Schauder faßte mich. Voll Ehrfurcht, starr und bleich,
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[5] Sah ich auf seine Gruft; dem stummen Marmor gleich,
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Der auf ein werthes Grab voll Schmerz herunter siehet,
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Doch auch als Stein uns rührt, und Mitleid auf sich ziehet.
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Mein Geist empfand indeß, daß eine fremde Kraft
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Mein Aug erheiterte; mit höhrer Eigenschaft
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Sah mein erstaunter Blick, daß göttliche Gestalten,
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Mit stillem schwarzen Pomp, zu seinem Grabe wallten.
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Ein stilles Rauschen gieng durch den Cypressenbaum,
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An den ich mich gelehnt; ich sah mehr, als im Traum;
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Die Muse merkte sich die bangen Klagelieder,
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Und sagt sie nicht so schön, allein getreulich wieder.

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Ein göttliches Gesicht, voll Anmuth und voll Pracht,
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Mit Lorbeern um das Haupt, nahm ich zuerst in Acht.
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[6] Die deutsche
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Losch eine Thrän' itzt aus; ihr Haupt sank auf die Leyer
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In tiefe Schwermuth hin; zerrissen flog ihr Kleid,
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Und ihr Gefolge war in gleicher Traurigkeit.
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Ich sah
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Ich sah der
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Die
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Sie sahn auf dessen Grab, der sie zugleich geliebt.
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Die
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»hier ruht mein
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Als eines Dichters Tod, den nur der Nachruhm trieb;
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Der stets gedankenvoll, stets rein und gleich sich blieb.
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Wie lange hat voll Stolz mir Deutschland widerstanden!
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Wenn Rechtsgelehrsamkeit und Weisheit Geister fanden,
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[7] Von deren hohen Ruhm die spätste Nachwelt spricht;
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So lag mein Reich zerstört; so schallte kein Gedicht,
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Von Gratien beseelt, in Deutschlands Grenzen wieder.
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Zu meinem Schimpf hört ich des Meistersängers Lieder.
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Und seit mein
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Gleich einer Nachtigall mit seinem Lied erfreut;
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Seit dem ein
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Seit dem ward ich aufs neu vom schwachen Thron verdrungen.
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Germanien vergaß, daß einst ein
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In edler Einfalt groß, und richtig, ohne Zwang.
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Die Dichtkunst ward ein Spiel von Namen und von Lettern.
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Ein schwülstger
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Von Bombast aufgethürmt, und blitzte leeren Schein;
60
[8]
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Er machte den
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Verzierte, was er sprach, mit Demant, Gold und Schmelze;
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Da
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Von Wortspiel überfloß, und taumelte vor Witz;
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Das Herz geruhig ließ, und zu gefallen dachte,
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Wenn sein gemeiner Held Zweydeutigkeiten machte.
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Ein schlimmres Alter kam mit einem stillern Lauf.
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Die matte Prosa warf an meiner Statt sich auf;
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Der platte
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Und
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Wie manchen guten Kopf nahm diese Krankheit ein!
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Geist und Gedankenleer, hieß rein und fliessend sehn.
73
Umsonst schwang
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[9] Umsonst brach
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Sein kühner Lied verderbt der Sitten Niedrigkeit;
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Und Deutschland ward aufs neu der Dummheit eingeweiht.
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Ihr Tempel wimmelte von kriechenden
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Von
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Bey Wieg', und Sarge war der Deutschen Phöbusgeld,
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Der Reimer stand bereit für Handwerksmann und Held.
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In dieser Barbarey, fast finsterer und schlimmer,
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Als jene gothische, brach, wie des Morgens Schimmer,
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Ein besserer Geschmack durch jene lange Nacht,
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Die zu der Nachbarn Spott den deutschen Witz gemacht.
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Der Musen mächtger Reiz erwarb aufs neu sich Freunde.
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Uns unterrichteten Franzosen, unsre Feinde.
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Ein schöpferischer Geist flog kühnen Britten nach,
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[10] Mein
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Der Reim vermochte nicht den Dichter einzuschränken,
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Sein volles Lied bewies, der Deutsche könne denken.
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Mit gleichem eignen Schwung stieg
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Sein Reim, voll Harmonie, entzückte Deutschlands Ohr;
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Und
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Sein starkes Lied verrieth des Dichtergottes Stral;
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Er ahmte glücklich nach, und ward Original.
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O welches wahre Lob ist ihm der Kenner schuldig!
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Er dachte kühn und wahr, und besserte geduldig,
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Und feilte seine Schrift durch manches Probejahr
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So lange, bis der Reim auch ein Gedanke war.
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Sey stolz, o
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[11] Uns sang sie
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Und welchen Schwung gab er der deutschen Ode nicht!
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Bald sprach sie, wie im Zorn der laute Donner spricht;
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Sang bald der
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Und bald ein braunes Haar, und blauer Augen Siege.
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Der freye Rundgesang, und selbst das Vaudevil
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War voll Natur, kroch nie, war edel, und gefiel.
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Doch komm, und nahe dich, du schönste seiner Musen,
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Moralsche Sängerinn, und nimm an meinem Busen
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Kuß und Umarmung an. Durch dich müst' er allein
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Der spätsten Nachwelt noch als Dichter schätzbar seyn.
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Wie lehrt sein
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[12] Wie lehrt die
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Das treu, wie Pylades, stark, wie sein
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Und so ein Lob verdient, wie

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Dies war der edle Geist, den unsre Thräne klaget!
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Dem nie Germanien sein ganzes Lob versaget,
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Der bey dem größten Lob doch stets bescheiden blieb;
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Der glühte, wenn er las, und bebte, wenn er schrieb.
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Die Zähren über ihn sind unerkaufte Zähren.
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Allein wie wenig kann ihn Deutschland noch entbehren!
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Der wankende Geschmack verlieret ihn zu früh,
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Da oft die Prosa noch, trotz aller unsrer Müh,
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[13] Den matten Vers beherrscht; da noch viel
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Und hundert Schüler noch den grossen
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Wofern dein grosser Geist noch auf die Erde sieht,
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So sieh voll Mitleid an, wie wild die
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Sobald ein Dichter spricht, wie andre Völker sprachen,
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Die mit Freymüthigkeit des Reimes Fessel brachen.
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Indessen herrschet
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Was nur Metapher heißt, und andre Völker schon
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Zur Prosa sich gemacht, das ist ihm übertrieben,
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Und wer nicht schreibt wie er, hat Schwärmern gleich geschrieben.
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Allein sein Lob ist Schimpf, sein Tadel nur ist Lob.
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Der war des Lorbeers werth, den
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Ein scharfer Kritikus war er bey seinen Fehlern,
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[14] Doch nie trieb ihn ein Neid der andern Ruhm zu schmälern;
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Zu früh stirbt er für mich, und für sein Vaterland,
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Das ihm die Lorbeern schon zu künftgen Preisen band.

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Du weinst,
141
Die
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Er war dein Schmuck, ihr Ruhm. Ehrwürdger
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Und
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Von wahrer deutscher Treu: Du,
145
Und
146
Zum letztenmal sahst du, o
147
Und du, o
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Ihr edlen Wenigen, sagt, (denn wer kannt ihn besser?)
149
[15] So groß der Dichter war, war nicht der Mensch noch grösser?
150
Und war sein Umgang selbst nicht seinem Liede gleich,
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Groß, edel, sanft und hold, an tausend Anmuth reich?
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Voll von Gelehrsamkeit, voll wahrer Wissenschaften,
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Sah auch der Hofmann nichts von Schulstolz an ihm haften.
154
Sein Umgang war dennoch ein steter Unterricht,
155
Und was er lachend sprach, war oft ein Sinngedicht.
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Ihr sahet ihn so oft in dem geheimern Leben,
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Verdiensten ihren Rang, sein Lob der Tugend geben;
158
Ihr saht ihn immer groß, und freundschaftlich, und frey:
159
Der wahren Weisheit Freund, und Feind der Heucheley.
160
Mich dünkt, ich höre noch die edle Menschenliebe,
161
Die sanft, voll Wohlthun spricht; die jeder Großmuth Triebe
162
[16] Für dich, o
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Mit brittschem Edelmuth verkannten Witz befreyt.
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Auch hierinn
165
Und stets zuerst sein Lob dem Würdigen zu geben.
166
[17] O du, die Zierde nicht von
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Du Stolz
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Die dir zuerst gehört, und sieh auf deine Brüder,
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Ein irrend schwaches Volk mit hohem Mitleid nieder!
170
[18] Wie ängstlich fürchten sie, zu stark, zu kühn zu seyn,
171
Und ziehn beym kleinsten Wind die Segel wieder ein.
172
Da andre sich zu früh mit
173
Zu viel bey Engeln sind, und Menschen drum vergessen;
174
Auf lauter Donner, Sturm, und Wirbelwinden gehn,
175
Und lauter Scenen nur aus andern Welten sehn.
176
Sey du der
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Entflamme jeden Geist, daß er nicht dir zur Schande
178
Die Reime ganz verschmäht, noch ohne Reim nichts schreibt;
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Da der, der glücklich denkt, in beyden Dichter bleibt.
180
Begeistre den Gesang der dichterischen Jugend;
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Ihr Lied sey voll Verstand, doch reicher noch an Tugend.
182
Unedler Reime Lob verfliegt, wie es entsteht,
183
Kein Niederträchtiger, kein Dummkopf heißt Poet.
184
[19] Ein kühner Adlersflug bringt uns nur zu den Sternen.
185
Laß sie vom
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Die Göttersprache sey des Pöbels Sprache nie,
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Und nie sey Kühnheit Schwulst, noch Prosa Poesie.
188
Dein Beyspiel bessere, was
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So sind wir deiner werth; so bist du nicht gestorben,
190
Und lebst im Dichter noch, der durch dich edler brennt,
191
Nicht

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So sprach die
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Ward oftermals von ihr mit Seufzern unterbrochen.
194
Sie schwieg, und sie verschwand, wie des Gefolges Pracht,
195
Den leichten Schatten gleich, unmerklich in die Nacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Justus Friedrich Wilhelm Zachariä
(17261777)

* 01.05.1726 in Frankenhausen, † 30.01.1777 in Braunschweig

männlich, geb. Zachariae

deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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