Elisa starb: kein Testament

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Elisa starb: kein Testament Titel entspricht 1. Vers(1784)

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Elisa starb: kein Testament
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Vergab sein Gut. Der Präsident
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Von Salem kam mit vier Gesellen,
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Das Inventarium zu stellen.
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Kurz wars. Ein Mantel und ein Rock,
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Ein Ranzen und ein Dornenstock;
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Mehr fand sich nicht. Um die Gebühren
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Des Richters und des Syndikus
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Und der Skribenten abzuführen,
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Ergieng der wohlbedachte Schluß,
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Den Erbverlaß zu konfiscieren.
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Man schritt zum Werk, als Hasael,
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Des Hohenpriesters Amtspedell,
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Erschien und von der Kirche wegen
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Das Pallium in Anspruch nahm.
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Dies war den Herren ungelegen,
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Doch sie verschluckten ihren Gram.
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Der Richter zog den Stab zurücke
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Und Aarons Großvikar bekam,
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Trotz aller Rabulisten Tücke,
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Das wunderthätige Gewand
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In seine Macht. Mit frohem Blicke
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Griff er darnach. Ihm war bekannt,
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Daß es Elias einst getragen,
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Und als der Liebe letztes Pfand
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Dem Schüler von dem Feuerwagen
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Herunterwarf. Von nun an träumt
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Der Patriarch von lauter Zeichen,
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Er schlägt den Fluß damit, er schäumt,
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Und theilt sich nicht. Er legts auf Leichen
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Und keine regt sich. Mißvergnügt
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Schenkt der getäuschte Hohepriester
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Den Mantel seinem lahmen Küster,
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Der kaum auf seinem Arme liegt,
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Als er ihn schon mit Riesenstärke
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Bewegen kann. Der gute Greis
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Weint dem Gott Jacobs Dank und Preis,
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Und hilft durch stille Wunderwerke
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Dem Leidenden. Die Lahmen gehn,
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Der Taube hört, die Blinden sehn,
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Und kurz es ward in wenig Wochen
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Vom frommen Küster mehr gesprochen,
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Als von dem ganzen Sanhedrin.
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Der Erzhirt griesgramt wie ein Heyde,
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Sein Antlitz färbt sich gelb und grün,
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Er reißt den goldnen Saum vom Kleide
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Und eine Handvoll Bart vom Kinn.
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Doch bald entstehen sanftre Klagen
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In seiner Brust. Er eilt vor Tag
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Ins Heiligthum, den Herrn zu fragen,
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Warum ein Küster mehr vermag,
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Als ein Prälat, auf dessen Magen
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Das Urim glänzt. Vergebens beugt
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Er seine Knie, brennet Kerzen
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Und Rauchwerk. Das Orakel schweigt!
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Doch eines ruft in seinem Herzen,
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Dem folget er. Der Kirchenrath
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Versammelt sich in dem Conclave,
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Der Thaumaturg wird als ein Sklave
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Des bösen Feinds durch ein Mandat
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Citiert, vernommen und verdammet.
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Denn wär es nicht ein Bösewicht,
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So schwiege das Orakel nicht,
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Sprach der Prälat, vom Zorn entflammet:
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Und das geweihte Blutgericht
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Verurtheilt ihn, in Gottes Namen,
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Nebst seinem Pallium zur Glut.
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Die Stutzer und die feinen Damen
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Von Salem und die ganze Brut
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Der Schriftgelehrten und Leviten
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Fand sich beym grausen Holzstoß ein.
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Man führt den armen Inquisiten
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Mit Pomp durch die gedrängten Reihn.
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Allein kaum schlagen rauchend Flammen
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Mit Praßeln über ihm zusammen;
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So wölbet sich der Mantel schnell
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Gleich einer lichten Purpurwolke
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Um seinen Leib. Vor allem Volke
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Fliegt er so leicht wie Gabriel
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In Gottes Schooß. Der blinde Laye
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Klopft auf die Brust mit stummer Reue.
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Nur der Prälat rief voller Wuth:
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Seht, Brüder, was der Satan thut.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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