Ich war ein kleines Würmchen

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Ich war ein kleines Würmchen Titel entspricht 1. Vers(1784)

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Ich war ein kleines Würmchen,
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Noch kaum vier Spannen groß,
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Und pikt in einer Laube
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An einer goldnen Traube
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Auf meiner Mutter Schooß.

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Da stieg ein schwarzer Drache,
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Die Mutter sah ihn nicht,
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Aus einer faulen Pfütze,
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Und blies, wie fahle Blitze
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Sein Gift mir ins Gesicht.

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Da ward es plötzlich dunkel
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Und einsam um mich her,
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Es konnten meine Augen
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Kein Licht mehr in sich saugen,
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Die Sonne schien nicht mehr.

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O Mutter, liebe Mutter!
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Rief ich der Guten zu,
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Und hieng an ihrer Wange,
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Wie bang ist mir, wie bange,
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Wo bin ich, wo bist du?

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Sie netzte mich mit Thränen,
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Rief den im Himmel an,
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Bat Menschen mir zu helfen,
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Und keiner konnte helfen
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Von allen, die mich sahn.

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So schlich ich lang im Finstern
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An ihrer Hand umher.
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Entwöhnt vom bunten Tande,
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Fand nie mein Geist die Bande,
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Worin er lag, zu schwer.

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An einem Feste Gottes,
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Als ich ein Lied ihm sang,
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Da hört ich Flügel schwirren
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Und eine Stimme girren,
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So sanft wie Flötenklang;

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Sie sprach: ich bin der Engel
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Der süßen Harmonie,
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Der oft den Menschenkindern,
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Des Lebens Gram zu lindern,
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Schon seine Harfe lieh.

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Du kennest mich: auf Erden
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Hieß ich Cäcilia;
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Mein Lob sang Popens Laute,
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Und Solon Fränklin baute
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Mir die Harmonika:

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Heil dir! zu deinem Troste
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Bin ich herabgesandt.
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Sie faßt mir Hand und Kehle,
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Und eine neue Seele
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Durchströmte Kehl und Hand.

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Sie schied. Auf meinem Schooße
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Fand ich ein Saitenspiel.
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Sein Laut verdrang mein Leiden;
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Mein Busen schmolz in Freuden
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Und Harmoniegefühl.

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Einst spielt ich in dem Tempel
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Das heilge Meisterstück
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Des großen Pergolese;
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Da hörte mich Therese,
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Und sorgte für mein Glück.

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O lebte sie!... doch schweige
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Mein allzuwacher Schmerz!
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Fand ich in Süd und Westen
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Nicht Menschen, die mich trösten,
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Nicht Balsam für mein Herz?

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Süß ists, wenn meine Cymbel
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Ins Mark der Seele dringt,
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Und dann ein edler Hirte
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Der Völker eine Myrte
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Mir um den Scheitel schlingt.

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Doch süßer, traute Freunde!
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Ist Euer Händedruck,
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Sind Eure sanften Thränen;
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Ja diese, diese krönen
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Mich mehr als Perlenschmuck.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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