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Heut saß ich im Cypressenhaine,
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In dessen Schatten, Freund, auch ich
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Um einen kleinen Liebling weine,
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Und meine Schwermuth wiegte mich
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In schwarze martervolle Träume.
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An ihrer Hand gieng ich zurück
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Zu meines Daseyns erstem Keime,
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Und fragte mich: ists wohl ein Glück
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Zu seyn? Warum bin ich auf Erden?
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Um eine Wallfahrt voll Beschwerden
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Ins grauenvolle Grab zu thun?
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Ach! ist im Schoos des Nichts zu ruhn
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Nicht besser, als gebohren werden?
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Ich dacht es noch, so sank mein Haupt,
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Vom Grübeln matt, in einen Schlummer,
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Den bange Furcht und stiller Kummer
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Mir lange, lange schon geraubt.
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Ich schwang mich mit verneuten Sinnen
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Ins unbegränzte Sternenfeld,
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Und sah auf des Olympus Zinnen
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Den Vater Zevs in seinem Zelt,
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Sein Odem hauchte junge Seelen,
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Um sie zur Fahrt in unsre Welt,
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Mit Menschenkörpern zu vermählen:
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Da glitt ihm eine durch die Hand,
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Als er den ersten dünnen Schleyer
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Von lichtem Aether um sie wand,
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Den weder Grab noch Leichenfeuer
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Verzehren kann. Sie warf sich hin,
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Und sprach: O Vater, darf ichs wagen,
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Nach der Bestimmung dich zu fragen,
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Zu welcher ich ersehen bin?
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Ich sollte deinen Vorwitz rächen;
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Doch nein, dies Glas befriedigt ihn,
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Rief Zevs, es wird statt meiner sprechen,
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Und dir das bunte Schattenspiel
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Des Lebens treu vor Augen malen.
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Er schweigt, und öfnet ihr Gefühl
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Mit seinem Finger dem Gewühl
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Der Seligkeiten und der Qualen,
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Die Sterblichen bereitet sind.
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Itzt blickt der Neuling in den Spiegel,
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Und sieht mit Lust als frohes Kind
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Sich auf der Jugend Rosenhügel;
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Er hüpfet, gleich dem jungen Reh,
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Im Morgenroth auf weichem Klee.
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Und spielet mit der Zukunft Siegel.
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Allein der Horen leichter Flügel
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Eilt schnell mit diesem Bild davon.
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Der Eltern Grab tritt an die Stelle;
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Aus seinem Schlunde speyt die Hölle
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Ein Heer Gespenster, die ihm drohn.
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Sie heißen Elend, Hunger, Blöße,
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Und ihr Gefolg ist Gram und Hohn;
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Sie schleppen ihn durch Frost und Nässe
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Und Dornen, bis vor Hymens Thron,
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Der sie verscheucht. Die bange Scene
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Verschwindet. Eine holde Schöne
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Legt ihm der Liebe Ketten an.
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Itzt athmet er nach langem Leiden
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Der reinen Wollust Götterfreuden,
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Die nur der Weise schmecken kann.
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Ein Knabe, heiter wie die Sonne,
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Umhüpft ihn. Doch Morbonens Hauch
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Zerstört auf einmal seine Wonne;
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Sie steiget aus des Orkus Bauch
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Und reißt das Kleinod seiner Seele
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Von seinem Arm. Er seufzt, er weint,
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Gleich der verlaßnen Philomele,
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Auf ihrer Urne. Schnell erscheint
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Ein edler Freund, der kaum die Lücke
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In seiner Brust zu füllen wagt,
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Als eine Hyder voller Tücke,
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Sie heißt Verläumdung, ihn verjagt.
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Nun suchet er mit nassem Blicke
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Die letzte Stütze, seinen Sohn,
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Und findet ihn am Acheron.
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Er eilet, sich ihm nachzustürzen;
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Doch Charon weigert ihm den Kahn;
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Umsonst ruft er die Parzen an,
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Den schwarzen Faden abzukürzen;
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Ihr Ohr ist für Bedrängte taub;
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Nur langsam sinkt er in den Staub.
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O Zevs, rief hier der neue Bürger
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Der Unterwelt mit Thränen aus,
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Welch ein Verhängniß voller Graus!
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Ha! wirf mich lieber gleich dem Würger
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Aus Mitleid in den kalten Schoos!
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Von allen, die auf Erden wohnen,
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Fiel keinem ein so schwarzes Loos.
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Du irrst, sprach Zevs, von Legionen
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Trift einen kaum ein beßres Glück;
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Die meisten werden dich beneiden.
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»doch, Vater, was für ein Geschick
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Erwartet sie nach diesem Leiden?«
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Den, welcher mit gestähltem Blick
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Des Lebens Ungemach bekämpfet;
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Nichts wünschte, was ich ihm versagt;
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Die Triebe der Natur gedämpfet;
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Und nie gemurrt, und nie geklagt,
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Wenn ich durch Trübsal ihn geläutert,
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Wo seine Tugend nicht mehr scheitert,
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Und Seligkeit und Heldenruhm
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Ihn krönt. Hier blieb der Schatten stumm.
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Doch schnell rief er: Wie, keine Krone,
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Als auf dem Weg zum Marterthum?
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Zevs, ich entsage meinem Lohne,
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Und schaff entweder mich zum Wurme,
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Der kaum sein Daseyn ahnet, um;
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Wo nicht zum Halbgott, der dem Sturme
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Mit stillem Muthe trotzen darf.
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Der Mensch, versetzt Kronion weiter,
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Füllt auf der großen Wesenleiter
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(so wills der Plan, den ich entwarf)
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Die Lücke zwischen den Dämonen
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Und Bestien: und dir mißfällt
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Die Kette, welche seit Aeonen
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Das Schöpfungsall zusammen hält?
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»ich tadle nicht den Plan der Welt;
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Doch daß auch ich hinein gehöre,
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Das quälet mich! denn bin ich nur
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Ein Lückenbüßer der Natur,
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Und nicht beglückt in meiner Sphäre,
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O Zevs, so lehrt mich mein Verstand,
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Die Mitgift deiner eignen Hand,
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Daß es mir Armen besser wäre,
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Aus der Natur vertilgt zu seyn.«
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So sey es, fiel Kronion ein.
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Er sprachs, und eine Handvoll Blitze
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Zerstiebt die neue Menschenskizze,
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Doch nicht den Geist. Betäubt und stumm
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Durchgleitet er des Aethers Fluthen,
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Und was kein Priester wird vermuthen,
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Er fand sich im Elysium.
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Ich sehe deine Seele bluten:
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O Freund; wie wallet meine Brust,
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Daß einer lebt, der mich verstehet,
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Und meine Klage nicht zur Lust
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In eine Blasphemie verdrehet.
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Der kannte, traun! die Menschheit nie,
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Der meine Hausphilosophie
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Als eine Misanthropin schmähet,
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Von einer Mänas des Cocyt,
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Und einen zweyten Heraklit
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In einer Todtengruft gebohren.
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Ich weiß es, Freund, man lernet sie
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Nicht in den Büchern der Doctoren;
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Auch nicht auf der Academie;
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Noch in dem Schöpfungsideale
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Der heitern Dichterphantasie;
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Nicht bey dem Klange der Pokale
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Noch auf dem seidnen Kanapee,
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Noch in dem goldnen Opernsaale
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Vergötterter Sardanapale;
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Auch nicht beym Wilden; sorgenlos
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Liegt er auf seinem Thron von Moos,
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Wo er beglückt, weil er nichts brauchet,
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Sein Leben in Tobak verrauchet.
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Da lernt man nicht der Menschheit Loos;
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Nein! aber bey den Hekatomben,
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Die der Erobrer würgen läßt;
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Und in den weiten Katakomben
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Des blaßen Hungers und der Pest;
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Und in den dunkeln Magazinen
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Des Geizes, in Potosis Minen,
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Wo jährlich der Natur zum Spott,
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Ein Heer von Märtirern verschmachtet,
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Durch deren Hand er seinen Gott,
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Dem er schon eine Welt geschlachtet,
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Der Hut des Cerberus entrückt;
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Und in Meßinens Feuerschlünden,
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Wo Kinder, halb vom Schutt erdrückt,
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Sich ächzend um die Mütter winden,
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Bis sie der Schwefeldampf erstickt;
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Und bey der Kirche Brandaltären,
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Die festlich den zu Staub verzehren,
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Der anders, aber redlich glaubt,
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Indeß sie noch aus Gottes Worte,
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Dem Armen, an des Todespforte
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Den letzten Trost, die Hoffnung, raubt.
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Ach, Freund, die Hoffnung! – Ich verstumme! –
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Mein Herz reißt seine Bande los! –
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Es bricht! – und dennoch nannt ich blos
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Die kleinste Ziffer von der Summe
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Des Elends, das die Menschheit plagt.
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Wer zählt die Menge, die in Zellen,
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Pallästen, Hütten und Kapellen,
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In Kerkern und auf Gräbern klagt?
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O wahrlich, unter Millionen,
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Die hier auf Gottes Erde wohnen,
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Vom unschuldvollen Säugling an,
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Der kaum den Kelch des Lebens fasset,
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Und schon am Mutterhals erblasset,
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Noch eh er Mutter stammeln kann,
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Bis zu dem Dulder an der Krücke,
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Der sein Jahrhundert überlebt,
200
Und seinen letzten Freund begräbt,
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Betreten wenige die Brücke
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Der Ewigkeit, die vor dem Thron
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Des milden Vaters der Geschicke
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Nicht für ihr bloßes Daseyn schon
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Entschädigung erwarten können.
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Ist dieses Irreligion,
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So mag die Inquisition
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Mein Evangelium verbrennen.
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Genug, wenn meine Stunde schlägt,
210
So wird schon einer meiner Lieben,
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Indem er in den Sarg mich legt,
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Mirs unter meinen Nacken schieben.