Einst fand ein Maulwurf eine Brille

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Einst fand ein Maulwurf eine Brille Titel entspricht 1. Vers(1785)

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Einst fand ein Maulwurf eine Brille,
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Die eine fahrende Sibylle
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Aus ihrem Zauberbuch verlor.
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Er pflanzt sie rüstig auf die Nase
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Und sah gerade – was zuvor.
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Pfuy, sprach er, mit dem dummen Glase!
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Und warf es weg. Doch plötzlich gieng
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Ein Licht ihm auf. Mit trunkner Seele
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Fuhr er damit in seine Höhle
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Und wies es, als ein Wunderding,
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Der Colonie: »Seht, Brüder, sehet,
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Rief er von Weisheit aufgeblähet,
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Was ich vom Trismegist empfieng!
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Ein Glas, wodurch ich Sterne, Maden,
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Dämonen, Götter, und Monaden
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Mit hellem Aug erblicken kann.«
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Itzt fängt er an zu demonstrieren
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Und von dem neuen Talisman
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So salbungsvoll zu phantasieren,
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Daß jeder glaubt es sey was dran.
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Die Brüder wolltens auch probiren,
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Und ob sie gleich nur Dünste sahn,
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So that es nichts. Die Brüder sprachen
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Nur desto mehr vom Wunderglas
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Und von dem Mann, der es besaß.
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Wir müßen ihn zum Doktor machen,
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Hieß es, und flugs ward er gekrönt.
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Sein Oheim nur, ein alter Späher,
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Kratzt sich den Scheitel und verhöhnt
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Mit bittrem Spott den neuen Seher;
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Allein man gab ihm Hohn für Hohn,
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Er ward verdammet und geflohn.
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Das kränkt den Alten. In der Stille
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Der Nacht bricht er beym Docktor ein,
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Stiehlt beyde Gläser aus der Brille
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Und deckt den Raub mit einem Stein.
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Des Morgens tritt der neue Weise,
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Mit dem entlehnten Augenpaar
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In seiner Schüler dichte Kreise
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Und zeiget der entzückten Schaar
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Trotz einem epischen Poeten,
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Viel wunderschöne Raritäten.
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Er ward des Diebstahls nicht gewahr,
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Als aus dem Dunkel eines Winkels
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Der Oheim auf den Lehrstuhl sprang:
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»das Fratzenspiel des Eigendünkels
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Und des Betrugs währt allzulang;
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Ich muß des Hermes großem Schüler
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Die Maske von der Stirne ziehn!«
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Rief er und warf dem Schattenspieler
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Die Gläser vor die Füße hin.
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Er schweigt. Tumult erfüllt die Grotte;
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Der Doktor stutzt, die ganze Rotte
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Fällt racheschnaubend über ihn;
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»vergeßt euch nicht in eurem Grimme,
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Rief der Adept mit dreuster Stimme,
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Ihr Herrn macht euch nicht lächerlich!
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Wahr ists, ich hab euch täuschen wollen;
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Doch ihr betrogt euch mehr als ich,
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Denn unter uns, ihr hättet mich
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Nicht gleich zum Doktor machen sollen.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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