Ein Wolf, ein wahrer Ariman

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gottlieb Konrad Pfeffel: Ein Wolf, ein wahrer Ariman Titel entspricht 1. Vers(1784)

1
Ein Wolf, ein wahrer Ariman,
2
Der so viel Schaafe niedermachte,
3
Als kaum der Fleischer Tamerlan
4
Dem Kriegsgott Menschenopfer brachte,
5
Lag auf den Tod am Magenkrampf
6
In seiner Kluft. Sein treuer Vetter
7
Und Spießgesell, ein frecher Spötter,
8
Besucht ihn, um im letzten Kampf
9
Ihm beyzustehen: Alle Wetter!
10
Rief er, was machst du armer Gauch,
11
Zwickt dich vielleicht ein Lamm im Bauch?
12
Steh auf; laß uns ein Schmalthier jagen;
13
Ein Teufel treibt den andern aus. –
14
Was sagst du? Zittre vor dem Rächer
15
Der Unschuld, sprach der kranke Schächer
16
Mit schwacher Stimme: keine Maus
17
Will ich mehr tödten: gleich den Bißen
18
Der Viper nagt mich mein Gewißen;
19
Aleckto, mit dem Höllenpfuhl
20
Im Blicke, stürmet meine Höhle,
21
Und reißet meine schwarze Seele
22
Vor Minos ernsten Richterstuhl.
23
Ha, Freund! Itzt floßen seine Zähren:
24
Wird Jupiter mein Flehn erhören,
25
Macht seine Gnade mich gesund;
26
So will ich meine Sünden büßen,
27
Nur Wurzeln und nur Gras genießen,
28
Und mit dem frommen Schäferhund
29
Die Heerde vor den Wölfen schützen,
30
Ja, selbst mein Blut für sie verspritzen.
31
Der Vetter schüttelte den Kopf,
32
Und sprach bey sich, der arme Tropf!
33
Das Fieber macht ihn phantasieren:
34
Hier würden Luftklystier, Magnet,
35
Und selbst Apoll den Ruhm verlieren.
36
Er küßt den Freund und seufzt und geht.
37
Kaum bleicht der zackigte Planet
38
Zum andernmal die braunen Schatten,
39
So kehrt er in den Hain zurück,
40
Um ihn zur Erde zu bestatten,
41
Und sieht ihn mit erstauntem Blick
42
Vor einem fetten Widder sitzen,
43
Aus dem er Herz und Nieren fraß.
44
Ey, ey, Herr Bruder, was ist das?
45
Rief er, heißt das die Heerde schützen,
46
Und selbst sein Blut für sie verspritzen?
47
Hier zog der graue Bösewicht
48
Sein finster blutiges Gesicht
49
Ins Lächeln, wie beym Sturm und Blitzen
50
Das Seegespenst im Tafelgolf:
51
Je nun, sprach er, und strich den Magen,
52
Ich war ein Lamm in kranken Tagen;
53
Gesund bin ich nun wieder Wolf.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.