Gebt Acht, ihr Herrn und Frauen

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Gebt Acht, ihr Herrn und Frauen Titel entspricht 1. Vers(1779)

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Gebt Acht, ihr Herrn und Frauen,
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Schaut fleißig an die Wand:
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Der braune Mann mit Klauen
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Ist Wechsler Hildebrand.

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Ein alter Filz aus Hessen;
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Nur Wasser war sein Trank,
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Nur Grütze war sein Essen,
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Sein Lager eine Bank.

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Hier steht er vor dem Kasten,
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Wo, Schicht auf Schicht gelegt,
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Die gelben Füchsen rasten,
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In Kremnitz ausgeprägt.

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Schaut, wie er sich dran weidet!
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Nun fasset seine Hand
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Den Zwicker, und beschneidet
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Frech der Ducaten Rand.

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He he! hier sind zween Armen,
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Die ihn um Hülfe flehn;
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Hört, wie er ohn Erbarmen
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Sie heißt zum Teufel gehn.

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Nun spricht, an seinem Stabe,
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Ein alter blinder Mann,
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Mit einem Fuß im Grabe,
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Um einen Deut ihn an.

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O Wunder! einen Dreyer
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Langt ihm der Filz hinaus:
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Gieb, ruft er, alter Schreyer,
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Zween Pfennige heraus!

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Er danket Ihro Gnaden,
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Und hungrig wie der Tod,
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Schleicht er zum Beckerladen,
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Und heischt ein Dreyerbrod.

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Hier sitzt auf ihrem Schemmel
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Die Beckrin, weiß wie Schnee,
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Und trinkt zu einer Semmel
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Ihr Schälchen Milchcoffee.

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Sie nimmt von ihm den Stater,
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Beguckt ihn: »Alle Welt!
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Mein guter alter Vater
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Ihr gebt mir falsches Geld!«

41
Der Greis weint stille Zähren,
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Die laut um Rache schreyn;
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Und von den Himmelssphären
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Kömmt flugs ein Engelein.

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In einen Demantbecher
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Faßt er wie Perlen sie,
47
Und gießt sie vor den Rächer
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Mit tiefgebeugtem Knie.

49
Schaut her! auf seinem Throne
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Sitzt Gott im Lichtgewand,
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Mit seiner Sternenkrone,
52
Das Weltrund in der Hand.

53
Er spricht: (Nehmt ab die Mützen!)
54
»voll ist des Frevlers Maas.«
55
Ha, seht sein Rachschwert blitzen,
56
Es winkt dem Satanas.

57
(bekreuzt euch!) Hurr! im Sturme
58
Erscheint der Drache schon,
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Und krümmt, gleich einem Wurme,
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Sich vor des Höchsten Thron.

61
Was willst du? brüllt der Drache,
62
»du kennest Hildebrand,
63
Den Wuchrer; meine Rache
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Giebt ihn in deine Hand.«

65
Mit gräßlichem Geprassel
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Stürzt er vom Sternenplan,
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Und schon klopft er in Cassel
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Am Haus des Sünders an.

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Herein! ruft er mit Brummen.
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Er sperrt beym Lampenschein
71
Die heut erpreßten Summen
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Just in ihr Grabmal ein.

73
Seht, ein Talar von Seide
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Deckt Satans Pferdefuß;
75
Er scharrt, voll böser Freude
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Ihm seinen Abendgruß.

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»was wollt ihr?« – Deine Seele,
78
Verdammter Bube du! –
79
Er packt ihn bey der Kehle,
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Und drückt sie knirschend zu.

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Schaut her, wie seine Fratze
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Vom schwarzen Blut sich bläht,
83
Wie er nach seinem Schatze
84
Sein starres Aug noch dreht.

85
(nehmt Schnupftoback!) Mit Krachen
86
Und Dampf weicht Satanas,
87
Nachdem er erst mit Lachen
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Zerstampft des Frevlers Aas.

89
Da liegt er nun, o Grauen!
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Zerquetscht wie eine Maus.
91
Ihr Herren und ihr Frauen,
92
Nun ist mein Schauspiel aus.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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