In Memphis goldner Burg trat vor des Königs Thron

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Gottlieb Konrad Pfeffel: In Memphis goldner Burg trat vor des Königs Thron Titel entspricht 1. Vers(1783)

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In Memphis goldner Burg trat vor des Königs Thron
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Ein edler Greis an seinem Stabe:
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Ich diente deinem Vater schon,
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Sprach er, und wenn ich treu gedienet habe,
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So gieb mir meiner Arbeit Lohn.
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Der König kannte längst des Alten Treue,
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Er sah ihn freundlich an: »Was foderst du
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Von meiner Dankbarkeit?« – »Die Ruh;
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Vergönne, daß ich mich mit meinen Enkeln freue,
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Eh mich der Tod von hinnen raft.«
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Ey, rief der Fürst, du kannst noch lange nützen,
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Dein Geist behält noch seine ganze Kraft;
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Bleib hier: du sollst an meiner Seite sitzen,
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Und wenn der Tod dich von uns ruft,
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So leg ich dich in meine Fürstengruft.
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Ein Grab in deinen Pyramiden,
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Versetzt der Greis, ist auch ein Grab:
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Das dunkle Thal, das mir mein Daseyn gab,
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Sey auch mein Ruheplatz hienieden.
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Der König ließ den Diener ungern ziehn,
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Doch mußt er ihm zuletzt willfahren.
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Er dachte schon nicht mehr an ihn,
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Als er nach zwey verfloßnen Jahren
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Einst müde von der Jagd auf einen Sandstein saß,
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Auf dem er diese Worte las:
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»das Büschchen, das auf diesem Hügel grünet,
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Erkohr ein Greis zu seiner Ruhestatt,
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Der fünfzig Jahre lang zween Königen gedienet
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Und nur ein Jahr gelebet hat.«

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O Bruder! wann wirst du den Wunsch erfüllen,
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Den einzigen, für den mein Herz noch brennt,
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Den süßen Wunsch, der Tage Rest im Stillen,
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Uns selbst genug und ungetrennt,
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Von unsrer Lieben Kreis umgeben,
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In heitrer Ruhe durchzuleben?
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Den Sommer schenktest du dem Vaterland,
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Gieb uns den Herbst. Die strengen Parzen spinnen
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Mit schneller niemals müder Hand
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Am dünnen Rocken fort, und eh wir uns besinnen,
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Reißt Atropos den Faden ab.
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Drum komm, o komm, beflügle deine Schritte!
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Kein Trianon gleicht unsers Vaters Hütte,
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Kein Saint-Denys gleicht seinem Grab.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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