Ein junges Weib aus Tivoli

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Ein junges Weib aus Tivoli Titel entspricht 1. Vers(1780)

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Ein junges Weib aus Tivoli
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In Algier Sklavin ward.
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Ein rascher Aga kaufte sie
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Und strich sich froh den Bart.

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»kind, sprach er, trotz den Houris schön,
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Hemm deiner Thränen Lauf;
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Du sollst heut mit mir schlafen gehn;
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Nimm diesen Kuß darauf.«

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Susette war der Heilgen gleich,
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Die ihr den Namen gab:
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Sie zieht ihm einen Backenstreich
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Und wischt den Kuß sich ab.

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»das leid ich nicht, beym Mahomet!«
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Rief ihr der Türke zu.
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»ha! schluchzt die Schöne, dein Prophet
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War just ein Bock wie du.«

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Ein wilder Derwisch stand dabey
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Und hört die Blasphemie;
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Er schleppt sie schäumend vor den Dey
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Und klaget wider sie.

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Der Dey war leider nicht mehr jung,
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Er sprach mit frommem Graus:
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Man schneide für die Lästerung
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Die frevle Zung ihr aus.

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Gesagt, gethan. Susette war
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Nun eine Märtyrin,
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Und oben drein verdammt ein Jahr
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Den Schellenkarrn zu ziehn.

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Sie bog geduldig sich ins Joch,
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Trug wie ein Lamm ihr Kreutz,
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Und wer sie sah, den rührte noch
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Im Zwilchgewand ihr Reitz.

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Das Jahr verstrich; durch Quaal und Spott
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Gieng es die träge Bahn:
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Und nun flog ein Maschinengott
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Zu ihrem Trost heran.

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Ihr Mann, der auch die Kette trug,
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Schriebs an den Pabst nach Rom.
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Der heil'ge Vater ohn Verzug
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Berief den Mönch Pachom.

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Er zählte tausend Kronen baar
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Dem Pater in den Schooß.
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Geh, sprach er, mach das fromme Paar
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Vom Joch der Türken los.

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Dreymal bückt sich der Pater tief,
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Und schnell wie Habakuk
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Eilt er auf ein Ankonerschiff,
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Genannt Sankt Nepomuk.

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Pachom lief ohne Fährlichkeit
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Im Port von Algier ein,
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Und fand den Weg in kurzer Zeit,
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Das Ehpaar zu befreyn.

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Von Hut und Haube bis zum Strumpf
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Neumodisch ausstaffiert,
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Der Pater sie nun im Triumph
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Zum guten Urban führt.

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Sie küssen weinend ihm die Schuh
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Voll heisser Dankbegier.
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Gerührt sieht er dem Weiblein zu
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Und giebt den Segen ihr.

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»geht, holt von einem Märtyrer,
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Aus dem Duplettenschrein,
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Geschwind mir eine Zunge her
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Und passet ihr sie ein.«

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So sprach der Pabst. Man bringt zur Stund
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Das Heiligthum ihm dar:
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Und kaum legt man's ihr in den Mund,
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So schwatzt sie wie ein Staar.

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Nun gieng erst recht der Jubel an:
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Ganz Rom hallt Urbans Ruhm.
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Doch nach drey Tagen rief der Mann:
72
»o wär mein Weib noch stumm!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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